Anekdoten

Perkeo, nach A.v.d. Werff

Den Zwerg Perkeo lernen fast alle Besucherinnen und Besucher des Heidelberger Schlosses kennen: Er ist eine der liebsten Gestalten der Schlossführer. Seine Statue steht auf einem Sockel gegenüber dem großen Fass. Dieses größte Holz-Weinfass der Welt konnte 195.000 Liter aufnehmen. Der trinkfeste Südtiroler Perkeo war Hofnarr und Fasswächter unter Kurfürst Karl Philipp (1716-1742). Die Legende erzählt, dass er starb, nachdem er einmal, statt Wein, ein Glas Wasser getrunken hatte. Sein Name soll sich aus seiner Antwort herleiten, die er auf jedes Trinkangebot gab: "Perche No?" ("Warum nicht?").


Das war der Zwerg Perkeo
Portrait von Friedrich Hölderlin, 1792

Der Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843) verfasste eine Ode auf Heidelberg:

"Aber schwer in das Tal hing die gigantische
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß
Ihr verjüngend Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab (...)"

Luftbild des Heidelberger Schlosses (Nordseite)

Heidelberg und sein Schloss wurden vor allem in der Romantik viel besungen und beschrieben. Clemens Brentano dichtete das "Lied von eines Studenten Ankunft in Heidelberg":

"Der Neckar rauscht aus grünen Hallen
Und giebt am Fels ein freudig Schallen,
Die Stadt streckt sich den Fluss hinunter,
Mit viel Geräusch und lärmt ganz munter,
Und drüber an grüner Berge Brust,
Ruht groß das Schloss und sieht die Lust,
Und da ich auf zum Himmel schaut´,
Sah ich ein Gottes Werk gebaut,
Vom Königstuhl zum heil´gen Berges Rücken
Sah ich gesprengt eine goldne Brücken,
Sah ich gewölbt des Friedens Regenbogen
Und sah ihn wieder in Flusses Wogen (...)"

 

Portrait Jean Paul Richters, 1815

Im 19. Jahrhundert zog Heidelberg die berühmtesten deutschen Dichter an. Unter ihnen war auch Jean Paul, der in der Stadt wie ein Fürst behandelt wurde:

"Ich habe hier Stunden erlebt, wie ich sie unter dem schönsten Himmel meines Lebens gefunden, besonders die Wasserfahrt, das Studentenvivat, und gestrige Gesänge (...) Der gesellige Ton ist hier Leichtigkeit, Anstand und Freude; vier angetrunkene Punschbowlen bei Voß und 100 ausgetrunkene Weinflaschen auf dem Schiff ließen doch diesen Ton bestehen."

 

Fotografie Kurt Tucholskys, 1908

Die Distanz zum Tourismus und zur klischeehaft romantischen Liebe zum Studentenstädtchen am Neckar verändern im 20. Jahrhundert die literarische Haltung zu Heidelberg.

Der Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890-1935) bemerkte einst sarkastisch: "Denn der schönste Platz, der hier auf Erden mein, das ist mein Heidelberg in Wien am Rhein".

 

 

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