Er liebte Vergnügungen, die Jagd und Turniere. Seine Trinkfestigkeit rühmen heute noch Studentenlieder und der unter ihm errichtete „Friedrichsbau“ des Heidelberger Schlosses gilt als einer der eindrucksvollsten Architekturen der Spätrenaissance. Als Führer der Protestantischen Union zählt er 1608 zu den „Spitzenpolitikern“ Europas und gründete 1606/07 die Stadt Mannheim, die im 18. Jh. zur kurpfälzischen Residenz aufsteigen sollte.
Mit einem facettenreichen Veranstaltungsprogramm erinnern im September die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg an den vor 400 Jahren verstorbenen populären und trinkfesten Regenten, Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz. Von Freitag, 17. September bis Sonntag, 19. September 2010 heißt es daher Eintauchen in das Zeitalter der Spät-Renaissance im Schloss Heidelberg!
An allen drei Festtagen erwarten die historisch gekleideten Spielleute der Gruppe Frölich Geschray mit zahlreichen Instrumenten die Gäste im Schlossareal und unterhalten ihr Publikum mit spannenden Interpretationen überlieferter historischer Musik. Hierzu fahren die sechs Musiker aus dem Norden ein wahres Arsenal an historischen Instrumenten auf, die sie mit hoher Spielmannskunst und hörbarer Spielfreude in ihrem mannigfaltigen Programm einsetzen. Derbe Sauf- und Spottlieder wechseln sich mit herzerweichenden Chorgesängen ab, auf peitschende Tänze folgen liebliche Weisen. So ist jeder Auftritt von Frölich Geschray ein einmaliges Erlebnis und bietet jede Menge Überraschungen, auch für den versierten Hörer.
Mit dabei sind auch die beiden Gaukler Habakuk und Rasputin, die ein Gaukler-Spektakel der Extraklasse mit rasanten Jonglagen, Witz, Charme, Improvisation und Publikumsbeteiligung bieten. Als Duo Confusi rufen sie zunächst ihr Auditorium mit Langfanfaren zusammen – dann wird verblüffend mit bekannten und überraschenden Geräten jongliert. In bunten Spielmannskostümen zaubern Habakuk und Rasputin Eier, Feuerfackeln, russische Holzklötze und viele andere Dinge aus ihren Körben hervor. Begleitet von witzigen Geschichten und Sketchen fliegen diese im nächsten Augenblick schon durch die Luft. Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer werden immer wieder ins Spiel mit eingebunden.
Für das leibliche Wohl sorgen an allen drei Tagen die Mövenpick Restaurants Schloss Heidelberg. Im Fasskeller – bei gutem Wetter auf dem Großen Altan – werden rustikale Speisen und ausgewählte Getränke serviert, im Schlosshof werden Grillspezialitäten den Gaumen der Besucher verwöhnen.
Freitag, der 17. September bildet den Auftakt: Bereits ab 10 Uhr warten die Spielleute und Gaukler auf ihr Publikum.
Am Samstag, den 18. September ist großer Familientag.
Ab 14 Uhr begrüßen „Kurfürst Friedrich IV. und seine Gemahlin Juliane von Oranien-Nassau“ persönlich die Gäste. „Wie kam gestern ich wohl ins Nest“, wird sich der feierfreudige Herrscher auch an diesen Tagen fragen und von seiner Begeisterung für Wein, Turniere, die Jagd und seiner Abscheu vor dem „Schwitzen im Rat“, sprich dem Regieren, berichten. Gespannt darf man sein, was seine fromme niederländische Gemahlin von den Eskapaden ihres Mannes hält!
Im Schlosshof werden derweil phantastisch gekleidete Wesen auf Stelzen große und kleine Besucher zum Staunen bringen. Wer mag, darf unter fachkundiger Anleitung der Kulturlotsen Heidelberg und des Service Centers Schloss Heidelberg historische Spiele ausprobieren.
Im Deutschen Apotheken-Museum geht es um die „Gepfefferte Heilkunst“ in der Renaissance-Zeit und um die Rolle, die Gewürze dabei gespielt haben. Kaum ein Thema kann Geschichte(n) von Küche und Heilkunde besser verbinden als Gewürze! Was wissen wir von den Apothekern und Ärzten am kurfürstlichen Hof? Wie gestaltete sich die Heilkunde zu dieser Zeit? Wie sah man den Zusammenhang von Gesundheit und Ernährung – wie „gesund“ konnte eine kurfürstliches Mahl sein? Diesen Fragen wird in 30-minütigen Themenführungen durch die Sammlungen des Apotheken-Museums nachgegangen.
In der kurfürstlichen Pfalz Friedrichs IV. war der Calvinismus Staatsreligion, und die strenge reformierte Lehre erlaubte außer dem einstimmigen Gemeindegesang keine Musik in der Kirche: das Wort Gottes war absolut vorrangig. Damit verhinderte der Calvinismus, dass sich am kurpfälzischen Hof eine kunstvolle Vokalmusik entfaltete – kein Wunder, wenn dort die Instrumentalmusik besonders gepflegt wurde. Die Heidelberger Kapelle spielte zur Tafel, zur „Recreation der Gemüther“ und zum Tanz: es erklangen Zinken, Schalmeien und Posaunen, Lauten, Violen da gamba und (1603 zu ersten Mal erwähnt) die neumodischen Violinen! Zum Repertoire der Heidelberger Instrumentisten gehörten neben zeitgenössischen Tänzen auch italienische Madrigalcanzonen. Zahlreiche Komponisten widmeten dem musikbegeisterten Kurfürsten ihre Werke: so Hans Leo Hassler seinen „Lustgarten“ von 1601. Die Tanzlieder in italienischer Manier und prachtvollen Intraden haben Friedrichs musikalischen Geschmack genau getroffen. Das Ensemble I Ciarlatani erweckt in drei halbstündigen Konzerten die glanzvolle musikalische Welt Friedrichs IV. zu neuem Leben, und ein Moderator kommentiert mit Informationen und Anekdoten die unterhaltsame Folge repräsentativer Kompositionen vom Heidelberger Hof.
Hof- und Gesellschaftstänze des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts zeigt das Ensemble für historischen Tanz I Danzatori Palatini im Königssaal, bei gutem Wetter auf der Bühne im Schlosshof und vermitteln somit das Lebensgefühl dieser Epoche. Mittanzen ist dabei nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht!
Friedrich IV. liebte neben Musik und Tanz auch Maskeraden und Theaterspiel. Mit den INCANTO Erlebenskünstlern aus Berlin werden 16 Künstlerinnen und Künstler gegen Abend in zwei wortlosen aber farbenprächtigen Inszenierungen den Schlosshof mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ verzaubern. Eine faszinierende Feuershow leitet anschließend gegen 23 Uhr zum großen Höhepunkt, einem brillanten Musik-Feuerwerk über.
Sonntag, der 19. September, Friedrichs Todestag, zeigt den Kurfürsten mehr als Bauherren und Politiker.
Auch heute werden „Kurfürst Friedrich IV. und seine Gemahlin Juliane von Oranien-Nassau“ Einblicke in das wechselvolle Leben des historischen Paares geben, während Dr. Gabriele Kleiber, Konservatorin von Schloss Heidelberg, die prächtige und repräsentative Fassade des von ihm beauftragten Friedrichsbaus in Kurzführungen erläutern wird.
Wer mehr über die schillernde Person des Kurfürsten erfahren möchte, ist herzlich zum Vortrag von Prof. Dr. Frieder Hepp, Direktor des Kurpfälzischen Museums Heidelberg, um 18 Uhr im Königssaal eingeladen. Umrahmen werden den Festvortrag noch einmal die I Ciarlatani mit Musik aus der Zeit.
Das Eintrittsticket kostet Freitag (10-18 Uhr), Samstag (14-23 Uhr) und Sonntag (10-18 Uhr) jeweils 5,00 Euro (ermäßigt 3,00 Euro) und berechtigt zur Hin- und Rückfahrt mit der Bergbahn von der Stadt zum Schloss. Der Festvortrag am Sonntag (18 Uhr) ist frei.
(Änderungen vorbehalten!)
Besuchen Sie Kurfürst Friedrich IV. gewidmete Sonderführungen:
„Turniere, Kurzweil, Feuerwerk: Kurfürst Friedrich IV (1574-1610)“
mit Dr. Gabriele Gerigk
Sonntag, 19. September 2010, 14.30 Uhr
Mittwoch, 22. September 2010, 18.00 Uhr
Der Führer der Protestantischen Union liebte weniger das Regieren als Jagden, Turniere, Trinkgelage und festliche Bälle. In die Geschichte eingegangen ist seine Trinkfreudigkeit.
„Heidelbergs letzter Ritter“
mit Heiner Grombein
Samstag, 25. September 2010, 16.00 Uhr
Als in Spanien Don Quijote gegen die Windmühlen antritt perfektionierte in Heidelberg Kurfürst Friedrich IV. beim Ringstechen seinen Umgang mit der Lanze. Aus den Tagebuchaufzeichnungen des Fürsten erfahren wir wie er seine Tage mit Turnieren und Tanzen, Schmausen und Zechen, Jagen und Lustfahrten, Würfeln und Kartenspiel verbrachte: All dies in Zeiten des Umbruchs, in denen der Dreißigjährige Krieg seine Schatten voraus warf.
„Friedrich IV. – Wie kam gestern er ins Nest?“
mit Susanne Späinghaus-Monschau, Dr. Gabriele Gerigk und Christine Lerch
Samstag, 18. September 2010, 16.00 Uhr
Freitag, 24. September 2010, 18.00 Uhr
Sonntag, 26. September 2010, 14.30 Uhr
Schwierige Zeiten und kein einfacher Regent. War er bodenständiger Realpolitiker oder doch nur Trunkenbold? Das überlieferte Bild Friedrich IV. ist ein vielfältiges und war der Ausgangspunkt so mancher Folklore. Lauschen Sie den in zeitgenössischer Bekleidung gewandeten Dienern und Höflingen und lernen Sie deren Sichtweise der Dinge kennen.
„Klappe zu – Page tot? Ein höfisches Fest mit ungeahnten Folgen“
mit Kristiina Iso-Kokkila und Waltraut Ehret
Samstag, 19. September 2010, 14.30 Uhr
Samstag, 25. September 2010, 14.30 Uhr
Hoch geht es am glanzvollen Hofe Friedrich IV. her, denn es wird eine Hochzeit gefeiert. Bälle, Bankette, Kampf- und Rennspiele folgen einander. Der 15-jährige Hofjunker Hans von Handschuhsheim soll zum Ritter geschlagen werden. Seinem Vetter gefällt dies aber gar nicht… Ein theatralischer Rundgang mit unerwarteten Wendungen – auch für Ungeübte geeignet!
(Führung für Familien und Schüler ab 10 Jahren)
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