Romantik

Thomas Abel Prior: Heidelberger Schloss mit Fantasielandschaft, um 1861

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte Heidelberg eine zweite Blütezeit: 1803 war die Universität erneuert worden und diese Neugründung zog Studenten und Dozenten nach Heidelberg.

Zu ihnen gehörten Clemens Brentano, Achim von Arnim, Ludwig Görres und Joseph von Eichendorff, der 1807 hier studierte und im Rückblick auf diese Zeit schrieb: "Heidelberg ist selbst eine prächtige Romantik; da umschlingt der Frühling Haus und Hof und alles Gewöhnliche mit Reben und Blumen und erzählen Burgen und Wälder ein wunderbares Märchen der Vorzeit, als gäbe es nichts Gemeines auf der Welt (...)".

Thomas Miles Richardson: Schloss Heidelberg, 1837/39

Der Druck der napoleonischen Herrschaft und die politische Not der Zeit verstärkten den Willen, sich auf die innere Erneuerung des nationalen Lebens zu konzentrieren. Im Gegensatz zur Jenaer Frühromantik nahm die Heidelberger Romantik eher konservative Züge an und betonte die Bindungen der Menschen an Volk, Staat und Kirche. Das erwachende Nationalbewusstsein und der Stolz auf das nationale Erbe, das sich in Sammlungen von Volkslieder und Märchen bewahren ließ, vertieften die Liebe zur Natur und zur Heimat.

Hubert Sattler: Schloss Heidelberg, um 1901

Romantische Verklärung erfuhr vor allem Heidelbergs berühmtestes Gebäude: das Schloss. Die geschichtsträchtige, großartige Ruine inmitten des grünen Berghanges regte die junge romantische Phantasie an. Das Heidelberger Schloss wurde nie mehr aufgebaut, erlebte jedoch seit der Romantik eine zweite Blüte als eine der bekanntesten Schlossruinen Europas.

Isidore Laurent Deroy: Altan und Glockenturm des Heidelberger Schlosses, 1845

Eine Dauerausstellung im Ruprechtsbau des Heidelberger Schlosses widmet sich sich seit Dezember 1999 der romantischen Rezeption des Bauwerks in Literatur und Kunst. Eine Vielfalt von Ausstellungsstücken erwarten die Besucherinnen und Besucher: Gemälde, Aquarelle, Graphiken, Handschriften, Bücher, die ersten Reiseführer und frühe Souvenirartikel. Sie belegen die bis heute andauernde Anziehungskraft der in der Romantik entdeckten Stimmungen.

(...)
Und gieng auf meine Herberg zu.-
Und wie ich gen die Brücke schaut,
Hört´ ich den Neckar rauschen laut,
Der Mond schien hell zum Tor herein,
Die feste Brück´ gab klaren Schein,
Und hinten an der grüne Berg!
Ich gieng noch nicht in mein´ Herberg
Der Mond, der Berg, das Flußgebraus
Lockt´ mich noch auf die Brück´ hinaus.
Da war so klar und tief die Welt,
So himmelhoch das Sterngezelt,
So ernstlichdenkend schaut das Schloß,
Und dunkel, still das Tal sich Schloß,
Und ums Gestein erbraust der Fluß,
Ein Spiegel all dem Überfluß,
Er nimmt gen Abend seinen Lauf,
Da tut das Land sich herrlich auf,
Da wandelt fest und unverwandt
Der heil´ge Rhein ums Vaterland,
Und wie ans Vaterland ich dacht´
Das Herz mir weint, das Herz mir lacht (...)


Clemens Brentano, aus: Lied von eines Studenten Ankunft in Heidelberg, 1806

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