Hortus Palatinus - der Heidelberger Schlossgarten

Jacques Fouquières: Hortus Palatinus, Öl auf Leinwand, vor 1620. Das großformatige Gemälde stellt den Heidelberger Schlossgarten von erhöhtem Standpunkt aus dar, sodass die Terrassierung und die jeweils tieferliegenden Parterres sichtbar werden.

 

Jacques Fouquières: Hortus Palatinus, vor 1620
Portrait von Salomon de Caus

Unter Kurfürst Friedrich V. wurde aus dem "Stückgarten", in dem die Geschütze (auch "Stücke" genannt) standen, ein prachtvoller und weltberühmter Lustgarten, der zum Ruhm des Herrschers beitrug. Der sogenannte "Hortus Palatinus" (Pfälzischer Garten) wurde in den Jahren 1614 bis 1619 von dem aus London berufenen Ingenieur und Architekten Salomon de Caus (1576-1626) geschaffen.

Luftbild des Hortus Palatinus (Pfälzischer Garten)

Zunächst kostete es gewaltige Anstrengungen, den Garten am Berghang anzulegen: In über zweijähriger schwieriger Arbeit entstanden Terrassen auf dem weiten Gelände östlich des Bergschlosses, die in einzelne Felder (Parterres) aufgeteilt wurden.

Hier pflanzte man Gewürzkräuter, Buchsbaum und Pomeranzen, legte farbige Muster aus Kies und Tonscherben. Dadurch bekamen auch die Wasserspiele, die ganz zentral waren, mehr Betonung. Zu den Höhepunkten des Gartens zählten künstliche Grottenanlagen, die in den Berg eingelassen wurden.

"Vater Rhein" vor der "Großen Grotte"

Nie zuvor war ein so großer Kunstgarten mit einer Fülle von exotischen Pflanzen, Zierbeeten, Laubengängen, Irrwegen, Wasserkünsten, Bildwerken, Grotten und Lusthäuschen entstanden. Im Sinne der Renaissance verwirklichte Kurfürst Friedrich V. im Hortus Palatinus die Idee eines von Menschenhand geschaffenen irdischen Paradieses. Hier vereinigten sich technische, ästhetische und weltanschauliche Grundsätze zu einem Gesamtkunstwerk. Der Hortus Palatinus galt lange Zeit als das achte Weltwunder, obwohl er nie vollendet wurde.

Wasserparterre mit dem Flussgott Rhein

Bereits während des Dreißigjährigen Krieges verfiel die Anlage wegen mangelnder Pflege, in der Folgezeit nutzte man Teile als Gemüsegarten. Der östliche Bereich wurde 1808 als englischer Garten für das Publikum geöffnet. Die nachfolgenden Kurfürsten selbst ließen den reichen Figurenschmuck des Gartens abtransportieren: Ein Teil kam 1720 nach Mannheim, ein anderer schmückte später den Schwetzinger Schlossgarten.

Salamon de Caus: Hortus Palatinus, Entwurf des Speisesaals in der "Kleinen Grotte", 1620

Heutige Rekonstruktionen des Hortus Palatinus sind möglich, weil Gartenarchitekt Salomon de Caus 1620 eine Abhandlung über den Garten mit allen Details publizierte, die uns heute noch ein genaues Bild seiner spektakulären, in ganz Europa berühmten Gartenschöpfung bieten.

 

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