Die „Heidelberger Schlossgespräche“ greifen eine große Tradition auf. Die berühmte Schlossruine war vor gut einem Jahrhundert ein ganz besonders exponiertes Spielfeld für die Theoriebildung rund um den Umgang mit den Monumenten der Geschichte. Wieder aufbauen? Ergänzen und vervollständigen, was vielleicht über Jahrhunderte verloren gegangen war? Oder radikal sich auf das konzentrieren, was die Geschichte an Spuren hinterlassen hat? Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatte man an vielen Monumenten erlebt, dass rekonstruiert, fantasievoll ergänzt, schöner zu Ende gebaut wurde. Etwa am Kölner Dom oder am Ulmer Münster, bei den Burgen Hohenzollern, Lichtenstein auf der Schwäbischen Alb oder Hochkönigsburg im Elsass. Politik, Baufachleute und Kunsthistoriker stritten erbittert um den richtigen Umgang mit einem herausragenden historischen Bauwerk wie dem Heidelberger Schloss. Am Ende gab ein Beitrag des Architekturhistorikers Georg Dehio den Ausschlag. In einem Aufsatz aus dem Jahr 1901 lieferte er die schlagenden Argumente dafür, dass man den Heidelberger Ottheinrichsbau, Glanzstück deutscher Renaissance-Architektur, und das ganze Schloss als Ruine erhalten und nie rekonstruierend vervollständigt hat.
Damit entstand am Heidelberger Schloss vor 110 Jahren der Zündfunke für den heutigen Begriff der Denkmalpflege. Und weil kaum ein Ort in Deutschland so unmittelbar mit dem Nachdenken über die Grundsätze im Umgang mit historischer Architektur verbunden ist, haben die Staatlichen Schlösser und Gärten im Oktober 2011 dort ein neues Gesprächsforum ins Leben gerufen. Es soll in hochkarätig besetzten Runden und Vorträgen um heutiges Bauen im Kontext historischer Städte und Ensembles gehen. Den Start im Oktober 2011 machte Franco Stella, der Architekt des Berliner Schlossprojektes, des Humboldtforums. Bei seinem Besuch war der große Königssaal im Schloss restlos besetzt – und Vortrag und anschließende Diskussion boten einiges an Spannung.
Die Veranstaltung am 20. März bestreitet als Hauptredner Max Dudler. Der Architekt kann direkt zu einem Heidelberger Thema Stellung nehmen. Er baut das neue Besucherzentrum am Schloss, das im Frühjahr 2012 der Öffentlichkeit übergeben wird. Bekannt ist der Schweizer auch durch andere Projekte in spektakuläre Monumenten, zuletzt das Hambacher Schloss. An seinen Vortrag schließt sich eine Podiumsdiskussion mit prominenten Teilnehmern an: Professor Werner Oechslin, Ordinarius für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich, Amber Sayah, Architekturkritikerin der Stuttgarter Zeitung und dem Architekten Christoph Sattler.
Die Vortragsreihe, die dieses Jahr noch an zwei bis drei weiteren Terminen hochkarätige Referenten ins Heidelberg Schloss bringen wird, wird von den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zusammen mit mehreren Partnern durchgeführt: Stadt Heidelberg, Architektenkammer Baden-Württemberg, Bund Deutscher Architekten und SRH Hochschule Heidelberg.
„Heidelberger Schlossgespräche – Reden über Architektur“
Max Dudler
20. März, 19 Uhr
Königssaal des Heidelberger Schlosses
Eintritt frei!