Romantik pur: Die berühmteste Ruine der Welt

Schloss Heidelberg

Heisse Diskussionen um ehrwürdige Mauern

Der Denkmalstreit

„Romantische“, in ihrem Bestand gesicherte Ruine? Oder stolzes, wiederaufgebautes Schloss? Um 1900 führte diese Frage im berühmten Denkmalstreit zu heißen Diskussionen in Politik und Fachwelt.

Luftansicht des Krautturms von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Gesprengtes Bollwerk: der Krautturm.

Schloss Heidelberg als Nationaldenkmal

Als Folge der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand in den deutschen Ländern ein zunehmender Patriotismus. Nach dem Sieg über Frankreich und der Gründung des Deutschen Reichs 1871 sollte die nationale Größe Deutschlands auch in seinen mächtigen Bauwerken sichtbar werden. Das durch französische Truppen zerstörte Schloss Heidelberg bot sich nach Ansicht vieler Zeitgenossen als Nationaldenkmal an. Der Wiederaufbau wurde beschlossen. 

Foto eines Modells zur Rekonstruktion des Ottheinrichsbaus von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Modell zur Rekonstruktion des Ottheinrichsbaus.

Streit um das Schloss

1883 richteten die badischen Behörden ein Schlossbaubüro ein. Die Architekten Julius Koch und Fritz Seitz dokumentierten in einem umfangreichen Planwerk den Zustand der Schlossruine. Das Abschlussgutachten von 1891 lehnte überraschenderweise den Wiederaufbau ab und empfahl, nur technische Schutzmaßnahmen durchzuführen. Viele Menschen sehnten sich jedoch nach einer Wiederherstellung des alten Glanzes. Es entzündete sich ein heftiger Streit in Politik und Fachwelt um das weitere Vorgehen. 

Flur im Friedrichsbau von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Neo-Renaissance im Friedrichsbau.

Der Wiederaufbau beginnt trotz Widerstands

Dennoch bekam der Architekt Carl Schäfer 1893 einen Auftrag und begann sogleich, den Friedrichsbau zu erneuern. Er restaurierte die Fassade und ersetzte ihre Skulpturen durch Kopien. Die Innenräume erhielten fantasievolle Stuckdecken und Türgewände im Stil der Neo-Renaissance. Als Schäfer weitere Rekonstruktionspläne vorlegte, beriefen Kunsthistoriker und Denkmalschützer eine Schlossbaukonferenz ein. 

Hofansicht des Friedrichsbaus von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Der rekonstruierte Friedrichsbau.

Wer gewinnt?

Wiederholt diskutierten nun führende Architekten, Kunsthistoriker, Bauforscher und Denkmalschützer über den Umgang mit dem Denkmal. Der große deutsche Kunsthistoriker Georg Dehio prägte damals den Satz: „Konservieren, nicht restaurieren!“. Diese Meinung setzte sich durch. Trotz hitziger Debatten blieben weitere Rekonstruktionspläne in der Schublade. Die übrigen Gebäude wurden lediglich in ihrem Bestand gesichert. Der Friedrichsbau ist das einzige Zeugnis für den Wunsch nach Wiederaufbau. 

TIPP

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