Romantik pur: Die berühmteste Ruine der Welt

Schloss Heidelberg

Hüter der Schlossruine

Charles von Graimberg

Louis Charles François de Graimberg-Belleau (1774–1864) war ein französischer Landadeliger, der seit 1791 im deutschen Exil lebte. Seine Zeichnungen machten Schloss Heidelberg überregional bekannt. Hartnäckig warb er für den Erhalt der geschichtlich bedeutsamen Schlossruine.

Aquarellierte Federzeichnung des Heidelberger Schlosses von Johann Wolfgang von Goethe, um 1820, Foto: Goethe-Museum Düsseldorf

Goethe zeichnete um 1820 die überwachsenen Ruinen des Heidelberger Schlosses.

Was war übrig vom stolzen Schloss Heidelberg?

Die einst so stolze Residenz der Kurfürsten von der Pfalz hatte in den Kriegen des 17. Jahrhunderts sehr gelitten. Dächer und Türen fehlten, die wehrhaften Mauern waren gesprengt und wurden von Pflanzen überwuchert. Nach einem Blitzeinschlag im Jahre 1764 brannten die Gebäude aus. Die Schlossruine verfiel zusehends und diente den Heidelbergern nur noch als Steinbruch. Das Haus Baden als neuer Eigentümer zeigte wenig Interesse an der Hinterlassenschaft der Kurpfälzer. 

Luftansicht von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Das kleine Brückenhäuschen bewacht den Zugang zum Schloss.

Warum verlor Graimberg sein Herz an eine Ruine?

Charles de Graimberg sah das Schloss als Symbol für eine einst mächtige und stolze Dynastie, deren Andenken aufrecht erhalten werden musste. Er sammelte alles, was mit den Pfälzer Wittelsbachern zu tun hatte: Münzen, Gemälde, Zeichnungen, Porzellan, Glas und Metallgegenstände. Über 9.000 Objekte trug er zusammen und stellte sie im Brückenhaus des Schlosses aus. Später richtete Graimberg im Friedrichsbau ein erstes Schlossmuseum ein.

Ein Franzose rettet ein deutsches Kulturdenkmal?

Charles de Graimberg erkannte frühzeitig den kunsthistorischen Wert von Schloss Heidelberg. Akribisch dokumentierte er in zahlreichen Skizzen und Studien den Zustand der Ruine. Vor allem ihre zum Teil verloren gegangene künstlerische Ausstattung hielt er fest. Es war ihm ein persönliches Anliegen, Maßnahmen zum Schutz dieses bedeutenden Kulturdenkmals selbst durchzuführen. Seine Briefe und Aktionen richteten letztendlich das Interesse der badischen Behörden auf die Schlossruine.

Ehemaliges Zimmer von Charles Graf de Graimberg im Friedrichsbau von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

In diesem Schlosszimmer lebte der Graf.

Adresse: Gläserner Saalbau, Schloss Heidelberg?

Die Schlossruine war für jedermann frei zugänglich. Graimberg erlebte mit, wie immer wieder Teile des noch erhaltenen Figurenschmucks, vor allem am Ottheinrichsbau, zerstört wurden. Doch die badischen Behörden weigerten sich, einen eigenen Schlosswächter anzustellen. Aus Liebe zu „seinem Schloss“ zog Graimberg selbst im Jahre 1811 in das Turmzimmer im Gläsernen Saalbau. Schlossführungen zeigen heute das nach ihm benannte Zimmer.

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