Liselotte von der Pfalz in einem Gemälde von Hyacyinthe Rigaud oder seiner Werkstatt, um 1713

Die ungeschminkte Wahrheit

Liselotte von der Pfalz

Elisabeth Charlotte (1652–1722), Liselotte von der Pfalz genannt, zählt noch heute zu den bekanntesten Pfälzer Persönlichkeiten. Als Tochter von Kurfürst Karl I. Ludwig aus dem Hause Pfalz-Simmern verbrachte sie einen Teil ihrer Kindheit in Schloss Heidelberg.

Philipp von Orléans in einem Gemälde von Antoine Mathieu, um 1660

Liselotte heiratete Philipp von Orléans.

Eine Prinzessin kennt keinen Schmerz?

Die junge Prinzessin wurde 1671 mit Philipp von Orléans, Bruder König Ludwigs XIV. von Frankreich, verheiratet. Diese Verbindung sollte die Kurpfalz vor den Expansionsbestrebungen des Nachbarstaates schützen. Die Ehe verlief wenig glücklich, denn Philipp interessierte sich mehr für Männer als für seine Frau. Am königlichen Hofe war Liselotte bald durch ein Zerwürfnis mit Madame Maintenon, der Mätresse des Königs, isoliert. Nach Heidelberg ist sie dennoch nie wieder zurückgekehrt.

Historisches Buch.

Aus den Briefen könnte man ganze Bücher binden.

Was war ihre Lieblingsbeschäftigung?

Liselotte von der Pfalz war eine begeisterte Briefeschreiberin. In rund 5.000 erhaltenen deutschen und französischen Briefen schilderte sie ihrer Familie in plastischer, direkter Weise das Hofleben in Versailles. Was wurde gegessen, wie wurde gefeiert, geliebt und gestorben? Liselotte plauderte unverblümt aus dem Nähkästchen und hinterließ der Nachwelt unschätzbare kulturgeschichtliche Zeugnisse vom Hofe des Sonnenkönigs.

Schreiben, wie ihr der Schnabel gewachsen war?

Von ihrem eigenen Sprössling, Philipp II. von Orléans (1674–1723), hatte Liselotte keine allzu hohe Meinung. So schrieb sie 1717 an ihre Halbgeschwister: „Mein Sohn ist incapable, mehr, alß zwey oder 3 tag, diet zu halten, viel zu drincken, ist freylich schlimm vor die augen, undt zu allem ungluk sauffen die damen hir mehr, alß die mansleütte, undt mein sohn (unter unß gerett) hatt eine verfluchte maitres, die seüfft wie ein bürstenbinder, ist ihm auch gar nicht treü.“

Verwüstung des Heidelberger Schlosses durch die Franzosen unter Mélac, Kupferstich nach dem Gemälde von L. Braun

Französische Truppen zerstörten 1693 das Schloss.

Liselotte – Spielball der Politik?

In der Kurpfalz regierte seit 1680 Liselottes Bruder Karl II. (1651–1685). Da der Kurfürst kinderlos starb, machte Ludwig XIV. für seine Schwägerin Ansprüche auf das Erbgut geltend. Liselotte wurde so ungewollt zum Auslöser des Pfälzischen Erbfolgekrieges von 1688 bis 1697. Französische Truppen marschierten in die Kurpfalz ein und verwüsteten Städte, Dörfer und Felder. Die Befestigungen von Schloss Heidelberg wurden 1693 zum großen Teil zerstört. Sie schrieb: „Das macht mir das Herz bluten, und man nimmt mir es noch hoch vor Übel, dass ich traurig drüber bin.“

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