Truly romantic: the world-famous ruins

Heidelberg Palace

Liselotte von der Pfalz in einem Gemälde von Hyacyinthe Rigaud oder seiner Werkstatt, um 1713; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele
Die ungeschminkte Wahrheit

Liselotte von der Pfalz

Elisabeth Charlotte (1652–1722), Liselotte von der Pfalz genannt, zählt noch heute zu den bekanntesten Pfälzer Persönlichkeiten. Als Tochter von Kurfürst Karl I. Ludwig aus dem Hause Pfalz-Simmern verbrachte sie einen Teil ihrer Kindheit in Schloss Heidelberg.

Philipp von Orleáns in einem Gemälde von Antoine Mathieu, um 1660; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Liselotte heiratete Philipp von Orléans.

War die Prinzessin glücklich?

Die junge Prinzessin wurde 1671 mit Philipp von Orléans, Bruder König Ludwigs XIV. von Frankreich, verheiratet. Diese Verbindung sollte die Kurpfalz vor den Expansionsbestrebungen des Nachbarstaates schützen. Die Ehe verlief wenig glücklich, denn Philipp interessierte sich mehr für Männer als für seine Frau. Am königlichen Hofe war Liselotte bald durch ein Zerwürfnis mit Madame Maintenon, der Mätresse des Königs, isoliert. Nach Heidelberg ist sie dennoch nie wieder zurückgekehrt.

Historisches Buch; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Julia Haseloff

Aus den Briefen von Liselotte von der Pfalz könnte man ganze Bücher binden.

Schreiben, um zu überleben?

Liselotte von der Pfalz war eine begeisterte Briefeschreiberin. In rund 5.000 erhaltenen deutschen und französischen Briefen schilderte sie ihrer Familie in plastischer, direkter Weise das Hofleben in Versailles. Was wurde gegessen, wie wurde gefeiert, geliebt und gestorben? Liselotte plauderte unverblümt aus dem Nähkästchen und hinterließ der Nachwelt unschätzbare kulturgeschichtliche Zeugnisse vom Hofe des Sonnenkönigs. 

Was berichtete sie?

Sie schilderte das Leben am Versailler Hof: „…wan wir von der jagt kommen, so kleite man sich anders ahn undt gingen 'nauff zum spiel; dorten blieb man biß umb 7 abents; von dar ging man in die commedie, welche umb halb 11 auß war, alßdan ging man zum nachteßen, vom nachteßen zum bal …“. Und sie beschwerte sich über das Essen: „…frantzosche ragoust kan ich auch nicht eßen, … sawerkrautt undt brauner kohl schmecken mir beßer“ oder „…wolte lieber warmbier mitt musscadnus drincken, alß chocolatte, caffé undt thé, kan keines von dreyen vertragen, kompt mir wie medicin vor“.

Verwüstung des Heidelberger Schlosses durch die Franzosen unter Mélac, Kupferstich nach dem Gemälde von L. Braun, Foto: Stadtarchiv Heidelberg

Französische Truppen zerstörten 1693 das Heidelberger Schloss.

War Liselotte ein Spielball der Politik?

In der Kurpfalz regierte seit 1680 Liselottes Bruder Karl II. (1651–1685). Da der Kurfürst kinderlos starb, machte Ludwig XIV. für seine Schwägerin Erbansprüche geltend. Liselotte wurde so ungewollt zum Auslöser des Pfälzischen Erbfolgekrieges von 1688 bis 1697. Französische Truppen marschierten in die Kurpfalz ein und verwüsteten Städte, Dörfer und Felder. Die Befestigungen und Bauten von Schloss Heidelberg wurden 1693 zum großen Teil zerstört. Sie schrieb: „Das macht mir das Herz bluten, und man nimmt mir es noch hoch vor Übel, dass ich traurig drüber bin.“

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