Truly romantic: the world-famous ruins

Heidelberg Palace

Ottheinrich von der Pfalz, Gemälde von Barthel Beham, 1535; Foto: Wikipedia, gemeinfrei
Bauherr, Kunstsammler, Protestant

Kurfürst Ottheinrich

von der Pfalz

Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz (1502–1559) war ein idealtypischer Renaissancefürst – er schuf bedeutende Bauwerke und war Kunstmäzen. Schon früh trat er zum evangelischen Glauben über und führte während seiner Herrschaft die Reformation lutherischer Prägung endgültig in der Kurpfalz ein.

Wappen der Herzöge Ottheinrich und Philipp von Bayern; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Zunächst regierte Ottheinrich in Pfalz-Neuenburg.

Wer war Ottheinrich?

Ottheinrich von Bayern war der Sohn von Ruprecht dem Tugendhaften und Elisabeth von Bayern-Landshut, ein Enkel des Kurfürsten Philipp von der Pfalz. 1522 übernahm er zusammen mit seinem Bruder die Herrschaft über das neu gegründete Fürstentum Pfalz-Neuburg, das er später alleine regierte. Erst 1556, nach dem Tod seines Onkels und früheren Vormundes Friedrich II. von der Pfalz, trat Ottheinrich schließlich die Herrschaft als Kurfürst von der Pfalz an, die er bis zu seinem Tode 1559 behielt.

Der Ottheinrichsbau in Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl

Das Bauen war eine seiner Leidenschaften.

Wieso ist Ottheinrich so berühmt?

Bereits in seinen frühen Herrschaftsjahren in Neuenburg baute Ottheinrich seine Burg zu einem Renaissance-Schloss aus, hinterließ aber auch viele Schulden. In Heidelberg kann man noch heute den von ihm erbauten und nach ihm benannten Ottheinrichsbau bewundern. Ottheinrich war auch ein großer Kunstliebhaber und Mäzen: Herausragende Werke der bildenden Kunst, der Malerei, der Musik und der Buchkunst wurden von ihm in Auftrag gegeben oder gekauft. Seine Bibliothek, die Bibliotheca Palatina, gilt bis heute als eine der bedeutendsten ihrer Zeit.

Wofür interessierte sich Ottheinrich?

In jungen Jahren konzentrierte sich Ottheinrich vor allem auf seine Bauten und ihre Ausstattung wie etwa das Neuburger Schloss, das auch einen Lustgarten und eine Menagerie mit exotischen Tieren hatte. Als er 1546 Neuburg verlassen und ins Exil nach Heidelberg gehen musste, begann er, Bücher und Musikalien, Münzen und Medaillen zu sammeln. Er interessierte sich für „antiquitetische“ Bücher und konnte Handschriften aus verschiedenen Klöstern, beispielsweise aus Kloster Lorsch, nach Heidelberg bringen. Seine Bücher ließ er nach eigenen Vorstellungen neu binden.

Porträt von Andreas Osiander von 1544; Foto: Wkipedia, gemeinfrei

Andreas Osiander brachte dem Kurfürsten den protestantischen Glauben näher.

Ein Befürworter der Reformation?

1542 nahm Ottheinrich, beeinflusst durch den Theologen Andreas Osiander, den evangelischen Glauben an. Per Erlass führte er die protestantische Konfession in seinem Fürstentum Pfalz-Neuburg ein. Dies trug dazu bei, dass das Fürstentum im Schmalkaldischen Krieg von kaiserlichen Truppen kurzzeitig besetzt wurde und Ottheinrich nach Heidelberg ins Exil fliehen musste. Nach seinem Regierungsantritt 1556 in Heidelberg führte er auch in der Kurpfalz die lutherische Konfession ein. Allerdings konnte er sein Reformationswerk auf Grund seines frühen Todes nicht vollenden.

Eine lutherische Kurpfalz?

Ottheinrich führte zunächst die von Johannes Brenz verfasste Württembergische Kirchenordnung in der Kurpfalz ein. Da geeignete Kräfte zur Neuausrichtung in Kirche und Universität im eigenen Land fehlten, wurden Experten von auswärts berufen. Dadurch kamen die verschiedenen Lehrmeinungen des deutschen Protestantismus in die Kurpfalz, was sich nach dem Tod Ottheinrichs in Streitigkeiten bemerkbar machte. Sein Nachfolger Friedrich III. trat immer entschiedener für die Reformierte Konfession auf. Er führte den „Heidelberger Katechismus“ ein: Die Pfalz hin diesem Bekenntnis an, doch die Lutheraner verließen das Land.

Rundporträt, auch Tondo genannt, Ottheinrichs in einem Stuckrelief im Schloss in Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele
Titel des Heidelberger Katechismus von 1563; Foto: Wikipedia, gemeinfrei
Figur Friedrichs III. an der Fassade des Friedrichsbaus; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Julia Haseloff

Die Kurfürsten Ottheinrich und Friedrich III. waren für die religiöse Ausrichtung der Kurpfalz enorm wichtig.

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