Bildnis Louis Charles François de Graimberg-Belleau (1774–1864)

Hüter der SchlossruineCharles von Graimberg

Louis Charles François de Graimberg-Belleau (1774–1864) war ein französischer Landadeliger. 1810 verlor er sein Herz an Schloss Heidelberg. Graimberg warb mit Leidenschaft und großer Ausdauer für den Erhalt der Schlossruine. Seine Zeichnungen machten die monumentale Anlage überregional bekannt.

Aquarellierte Federzeichnung des Heidelberger Schlosses von Johann Wolfgang von Goethe, um 1820, Foto: Goethe-Museum Düsseldorf

Goethe zeichnete um 1820 die überwachsenen Ruinen des Heidelberger Schlosses.

Was war übrig vom stolzen Schloss Heidelberg?

Schloss Heidelberg war 1810 in einem elenden Zustand. Dächer und Türen fehlten, die wehrhaften Mauern waren gesprengt und von Pflanzen überwuchert. Nach einem Blitzeinschlag im Jahre 1764 waren die Gebäude zudem ausgebrannt. Die Schlossruine verfiel zusehends und diente den Heidelbergern nur noch als Steinbruch. Das Haus Baden, der neue Eigentümer der Anlage, zeigte wenig Interesse am Erhalt der einst stolzen Residenz. Doch der Franzose Charles Graimberg verlor in eben diesem Jahr sein Herz an das Schloss.

Luftansicht von Schloss Heidelberg

Das kleine Brückenhäuschen bewacht den Zugang zum Schloss.

Warum verlor Graimberg sein Herz an eine Ruine?

„(…) kaum war ich in dieser Stadt, morgens am 4. Oktober im Jahr 1810, angelangt, so hatte ich noch vor Ende desselben Tages schon mehrere Stunden in der Ruine gezeichnet, und so die Bahn eröffnet, die ich so viele Jahre lang durchlief und die sich immer reicher und unerschöpflicher vor mir ausbreitete.“ Graimberg sah im Schloss mehr als nur eine Ruine. Das Monument war ein Symbol für eine einst mächtige Dynastie, deren Andenken aufrechterhalten werden musste. Mit Leidenschaft machte er sich ans Werk.

Wie bewahrte und beschützte Graimberg das Schloss?

Graimberg dokumentierte in zahlreichen Skizzen und Studien den Zustand der romantischen Ruine. Er hielt auch die, heute zum Teil verlorene, künstlerische Ausstattung fest. Seine Zeichnungen machten das Schloss international bekannt. Zudem sammelte er alles, was mit den Pfälzer Wittelsbachern zu tun hatte: Münzen, Gemälde, Zeichnungen, Porzellan, Glas und Metallgegenstände – über 9.000 Objekte stellte er im Schloss aus. Er fand im Schutz von Schloss Heidelberg seine Lebensaufgabe.

Schloss Heidelberg, Ottheinrichsbau

Mon Château – mein Schloss – nannte Graimberg liebevoll das Heidelberger Schloss.

WO WOHNTE GRAIMBERG?

Aus Liebe zu „seinem Schloss“ zog er im Jahr 1811 in das Turmzimmer im Gläsernen Saalbau. Graimberg erlebte mit, wie immer wieder Teile des noch erhaltenen Figurenschmucks zerstört wurden. Die Ruine war damals für jedermann frei zugänglich. Im Mai 1822 machte er die badischen Behörden darauf aufmerksam, dass Unbekannte in das Schloss eingedrungen waren. Dabei waren „nicht nur viele Arrabesken und sonstige Verzierungen zerschlagen, sondern sogar mit Meiseln ganze Gesichter von Engelsfiguren weggestemt“ worden.

Schloss Heidelberg, Graimberg-Zimmer

Graimberg lebte von 1811 bis 1823 auf Schloss Heidelberg.

HATTE GRAIMBERG ERFOLG?

Erst im Jahr darauf, 1823, wurde der Zugang zum Rittersaal des Ottheinrichsbaus endlich geschlossen. Wenn Graimberg auf Reise ging, traf er besondere Vorkehrungen: Er zeigte den jungen Angestellten des Schlossgärtners und -küfers „alle einzelnen Theile der Ruine und versprach, wenn er sie bei seiner Rückkunft in demselben Stande wiederfinde, jedem einen Ducaten“. Dank der Leidenschaft von Graimberg ist Schloss Heidelberg erhalten geblieben. Schlossführungen zeigen das Zimmer, in dem er lebte.

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