Romantik pur: Die berühmteste Ruine der Welt

Schloss Heidelberg

Kleine Grotte, Zeichnung von Salomon de Caus, Foto: Medienzentrum Heidelberg
Ein Genie in kurfürstlichen Diensten

Salomon de Caus

Salomon de Caus (1576–1626) stammte aus der Normandie und war Architekt und Ingenieur. Ausgedehnte Reisen und Aufträge führten ihn quer durch Europa. In Brüssel schuf er erste Gartenkunstwerke, für deren Weiterentwicklung er später in Heidelberg berühmt werden sollte.

Kurfürst Friedrich V. als König von Böhmen in einem Gemälde von Gerard van Honthorst, um 1620

Kurfürst Friedrich V. beauftragte Salomon de Caus mit der Anlage des Gartens.

Warum verliess de Caus London?

Vom englischen Thronfolger Henry Stuart erhielt Salomon de Caus 1610 den Auftrag, die Wasserversorgung in den königlichen Gärten zu verbessern. Doch sein Auftraggeber starb, viel zu früh, schon zwei Jahre später. Kurfürst Friedrich V. hatte 1613 Henrys Schwester Elizabeth geheiratet und suchte seiner anspruchsvollen Ehefrau ein standesgemäßes Zuhause zu schaffen. So fand Salomon de Caus einen neuen begeisterten Auftraggeber: 1614 beauftragte ihn der Kurfürst mit der Anlage eines kunstvollen Gartens in Heidelberg.

Gemälde des Hortus Palatinus von Schloss Heidelberg, von Theodor Verhas, um 1860; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Der Hortus Palatinus von Salomon de Caus.

Ein Wunderwerk für den pfälzischen Hof?

In Heidelberg sollte Salomon de Caus ein wahres Wunderwerk an dem steilen Hang östlich des Schlosses schaffen. Er entwarf ein System von ineinander geschachtelten Terrassen in unterschiedlicher Höhe. Ausgeklügelte Treppenaufgänge verbanden sie miteinander. Raffiniert war die unterschiedliche Gestaltung der Terrassen durch Haine, Beete, Gartenkabinette und Grotten.

Vorrichtung für zwei Delfine und die Galathea-Figur, Zeichnung von Salomon de Caus; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Vorrichtung für die Galathea-Figur.

War de Caus ein genialer Erfinder?

Begeistert widmete sich Salomon de Caus der Konstruktion von Maschinen, die durch Sonnenkraft, Luft oder Wasser angetrieben wurden. Dazu zählte beispielsweise der Entwurf mechanischer Musikinstrumente. Figuren in Grotten, die sich wie von Geisterhand bewegten, oder ein vermeintlich lebloser Holzvogel, der doch zwitschern konnte, wurden von ihm konstruiert. Solche überraschenden Effekte sollten die höfische Gesellschaft immer wieder aufs Neue unterhalten. 

Was hat sich erhalten vom berühmten Hortus Palatinus?

Nur ansatzweise lässt sich heute die große künstlerische Leistung von de Caus im Schlossgarten Heidelberg nachvollziehen. Zudem ist heute unklar, wieviel von den Plänen überhaupt realisiert worden war. Die Terrassen- und Treppenanlagen blieben erhalten. Einige Wasserspiele wie beim „Vater Rhein“ sprudeln heute noch. Grundmauern und Säulenstümpfe der Gartenkabinette konnten gesichert werden. Ein umfangreiches Kupferstichwerk zeigt die geplante Gartenausstattung mit Musikautomaten, Skulpturen, Wasserspielen und Grotten.

Entwurf von Salomon de Caus für den Hortus Palatinus mit Säulenbrunnen, Foto: Medienzentrum Heidelberg
Entwurf von Salomon de Caus für Brunnenfiguren, Foto: Medienzentrum Heidelberg
Entwurf von Salomon de Caus für das Pomeranzenfeld, Foto: Medienzentrum Heidelberg

Die Entwürfe von Salomon de Caus für den Garten sind noch erhalten.

TIPP

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