Romantik pur: Die berühmteste Ruine der Welt

Schloss Heidelberg

Montag, 24. Juni 2019

Schloss Heidelberg | Führungen & Sonderführungen

Victor Hugo in Heidelberg. Der französische Dichter und das Schloss

Einer der berühmtesten Autoren der Romantik besucht das berühmteste Sehnsuchtsziel der Romantiker: Der französische Erfolgsschriftsteller Victor Hugo, im 19. Jahrhundert zu Gast in Schloss Heidelberg, war enorm beeindruckt. Im Rahmen des Themenjahrs „Ziemlich gute Freunde. Frankreich und der deutsche Südwesten“ und zur Erinnerung an den prominenten Besuch im Herbst 1840 setzen die Staatlichen Schlösser und Gärten jetzt eine Führung auf den Spuren Victor Hugos und anderer Romantiker aufs Programm: „Man müsste hier leben“ am 30. Juni um 14.30 Uhr.

HEIDELBERG ALS REISEZIEL

Victor Hugo war längst ein prominenter Autor, als er nach Heidelberg kam. Er hatte unter anderem „Nôtre Dame de Paris“ veröffentlicht, eines der erfolgreichsten Bücher der Romantik und als „Glöckner von Nôtre Dame“ bis heute mehr als populär. Der gefeierte Dichter machte sich 1840 auf eine Deutschlandreise und dokumentierte seine Stationen mit Schreibstift und Pinsel: Seine „Rheinreise“ („Le Rhin“) als literarisches Zeugnis von insgesamt drei Reisen erscheint im Jahr 1845. Einen zentralen Platz nimmt der Besuch in Heidelberg im Oktober 1840 ein – der romantische Höhepunkt der Rheinreise.

 

SCHLOSS HEIDELBERG, VON FEEN ERBAUT

Das Zusammenspiel von Natur, Architektur und Geschichte faszinierten Victor Hugo besonders beim Anblick der majestätischen Ruine: „Die Heidelberger Residenz hat von allem etwas. Sie ist eines jener Bauwerke, in dem sich die anderswo nur verstreuten Schönheiten häufen und eine Mischung eingehen“, beschreibt er seinen ersten Eindruck. Beim Anblick des Ottheinrichsbaus empfindet er dies ganz besonders: „Ich kann Ihnen nicht sagen, was an dieser Mischung aus Kunst und Wirklichkeit so unaussprechlich ist; da ist Kampf und Harmonie zugleich. […] Mir scheint, dass dieser von Feen der Renaissance erbaute Palast erst jetzt in seinem natürlichen Zustand ist.“

 

MAGIE DER NACHT

Ganz im Sinne der Romantik lässt der Dichter Hugo die Schlossruine bei Nacht auf sich wirken. Der Mond ist das Gestirn der Romantiker: „Nichts ist größer als verfallene Pracht. Die Ruine strahlte unter dieser Beleuchtung und zu dieser Stunde eine unaussprechliche Trauer, Lieblichkeit und Erhabenheit aus. Ich glaubte, im Rascheln der kaum erkennbaren Bäume und Sträucher irgendetwas Ernstes und Respektvolles zu spüren. Ich vernahm keine Schritte, keine Stimme, keinen Hauch. Hier im Hof gab es weder Schatten noch Licht; eine Art verträumter Dämmerung formte alles, erhellte alles und verschleierte alles. Durch das Gewirr von Lücken und Spalten fielen bis in die finstersten Ecken schwache Mondstrahlen hinein; und in den schwarzen Tiefen sah ich unter den unerreichbaren Gewölben und Gängen sich langsam bewegende weiße Formen. Es war die Stunde, da die Fassaden der alten verlassenen Gebäude keine Fassaden mehr sind, sondern Gesichter. […]. Man sollte sich einen verfallenen Palast oder ein Kloster lieber in der Nacht als bei Tage ansehen.“

 

ROMANTISCHES PORTRÄT EINER STADT
Victor Hugo erkundete in den acht Tagen seiner Anwesenheit Heidelberg und sein Schloss, sog Geschichten und Legenden auf und schuf ein romantisches Bild der Stadt und ihrer größten Sehenswürdigkeit: „Ich habe das Schloss durch den Garten verlassen und beim Hinuntersteigen habe ich nochmals einen Augenblick auf einer der unteren Terrassen haltgemacht. Die Ruine hinter mir, die den Mond verdeckte, bildete auf halbem Hang einen großen Schattenbusch, aus dem nach allen Seiten dunkle und leuchtende Linien hervorbrachen, die den undeutlichen, dunstigen Hintergrund der Landschaft streiften. Unter mir erstreckte sich Heidelberg, an den Fuß des Berges in das Tal geduckt, alle Lichter waren erloschen, alle Türen geschlossen; und dahinter hörte ich den Neckar rauschen, der dem Hügel und der Ebene etwas zuzuflüstern schien.“

 

 

FÜHRUNG AUF DEN SPUREN DES DICHTERS

Man müsste hier leben!“ Am 16. Dezember macht sich eine besondere Führung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg auf die Spuren Victor Hugos und anderer Romantiker. Geschichte und Geschichten machen Literatur lebendig und nicht nur das: Auch der französische Dichter wird den Gästen dieses Rundgangs begegnen. Für die Dialog-Führung „Auf den Spuren Victor Hugos und anderer Romantiker“ am Sonntag, den 30. Juni um 14.30 Uhr mit Antje Brunner und Jean-Paul Wimmer oder Klaus Mombrei ist eine telefonische Anmeldung notwendig. Einen weiteren Termin für die Führung gibt es am 6. Oktober, ebenfalls um 14.30 Uhr.

 

VIELFALT DES THEMENJAHRES

Zahlreiche neu konzipierte Sonderführungen lassen die vielfältigen Einflüsse des mächtigen Nachbarlandes für die Kurpfalz und Schloss Heidelberg sichtbar werden: etwa die Führung „Charles de Graimberg – ein Franzose rettet das Schloss“ am 1. Dezember oder „Bienvenue Madame de Bourbon Montpensier“ am 29. Dezember. Die Programmvielfalt im Themenjahr „Ziemlich gute Freunde. Frankreich und der deutsche Südwesten“ ist groß: Besondere Führungen, Feste, Märkte und Konzerte wechseln sich ab mit Ausstellungen, Lesungen und Vorträgen. Alle Informationen gibt’s im Internet unter www.ziemlich-gute-freunde.de. Dort kann man auch den umfangreichen Prospekt mit einer Auswahl der besten Veranstaltungen herunterladen oder ihn über die Internetseite bestellen.

 

 

 

SERVICE

themenführung zu Victor Hugo

Man müsste hier leben!“ – Auf den Spuren Victor Hugos und anderer Romantiker

Sonderführung mit Antje Brunner und Jean-Paul Wimmer oder Klaus Mombrei

 

TERMINE

Sonntag, 30. Juni 2019| 14:30 Uhr

Sonntag, 6. Oktober 2019| 14:30 Uhr

 

PREIS

Erwachsene 7,00 € (zuzüglich Schlossticket 8,00 €)

Ermäßigte 3,50 € (zuzüglich Schlossticket 4,00 €)

 

Eine telefonische Anmeldung ist erforderlich.

 

INFORMATIONEN UND ANMELDUNG

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Schlosshof 1

69117 Heidelberg

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