Romantik pur: Die berühmteste Ruine der Welt
Schloss Heidelberg

Gebaut oder gemeisseltGeschichtshäppchen

In Schloss Heidelberg wurde Geschichte geschrieben. Es haben sich aber auch tagtäglich Geschichten und Geschichtchen ereignet. Manche wurden in Stein gemeißelt. Als „Häppchen“ aufbereitet serviert diese Reihe in reglmäßigen Abständen die verschiedensten  Ereignisse und Begebenheiten. 

Schloss Heidelberg, Kaisersaal

Der Festsaal im Erdgeschoss des Ottheinrichbaus: der Kaisersaal.

Der Kaisersaal

Der Kaisersaal ist der Festsaal im Erdgeschoss des Ottheinrichbaus. Sein Name geht zurück auf Kaiser Maximilian II, der hier 1570 zu Besuch weilte. Damals war er von sechs Kreuzgratgewölben überspannt. Man sieht an den Wänden die Reste der Konsolen, von denen sich die Gewölbe erhoben. Zum Teil erhalten und teilweise rekonstruiert sind die mächtigen Mittelpfeiler, auf denen die Gewölbe ruhten. An den Wänden aufgereiht, befinden sich heute die Originalfiguren von der Außenfassade des Ottheinrichbaus.


Schloss Heidelberg, Vater Rhein

Vater Rhein, auf einer Felsen- und Grottenlandschaft gebettet.

Der Vater Rhein

Die monumentale Figur des Vater Rhein befindet sich im hinteren Bereich des ehemaligen Hortus Palatinus. Er liegt auf einer Felsen- und Grottenlandschaft gebettet, von Amphoren umgeben, im mittleren von drei Wasserbassins.

Um 1970 waren diese Bassins, wie auch die Figur des Vater Rheins, Teil einer umfassenden Instandsetzung des von Salomon de Caus gegen 1620 errichteten Prachtgartens. Den Rhein als Flussgott in diesem Garten zu zeigen, verweist auf die Bedeutung, die der Besitz von Teilen dieses Flusses für die Kurfürsten besaß.


Schloss Heidelberg, Ludwigsbau

Der Wohnpalast von Ludwig V.: der Ludwigsbau.

Der Ludwigsbau

Der Ludwigsbau, der Wohnpalast seines Erbauers, Ludwig V. ist der unbekannteste der Heidelberger Schlosspaläste. Das liegt einmal an seiner versteckten Position im Schlossgeviert, hinter Stützmauern, Brunnen und Treppen. Zudem musste seine nördliche Hälfte dem späteren Ottheinrichsbau weichen. Abgetragen wurde er bis zum Treppenturm, den seitdem beide Paläste gemeinsam nutzen.

Seine heutige Erscheinung  stammt hauptsächlich aus der spätgotischen Zeit des Schlosses, Anfang des 16. Jahrhunderts. Allerdings geht das Mauerwerk der unteren Geschosse bis in die Zeit 1300 zurück und die Fenster des Obergeschosses sind barock.


Schloss Heidelberg, Eingang zur Schlosskapelle

Nur „Gerechte“ sollen die Schlosskapelle betreten.

Der Eingang zur Schlosskapelle

„Dies ist die Pforte des Herrn. Nur die Gerechten sollen durch sie hindurchgehen.“ So heißen übersetzt die Worte über dem Eingang zur Schlosskapelle. Sie sind Teil eines Psalms aus dem alten Testament in den Sprachen Hebräisch und Latein. Es fehlt das Griechische, die dritte Sprache des alten Testaments. Gerahmt wird die Tafel von einem Renaissance Relief, geschmückt mit Engeln und Blattgirlanden. Die Schlosskapelle entstand um 1607. Sie bildet das Untergeschoss des auf ihr errichteten Friedrichbaus.

 


In diesem Schlosszimmer lebte Graf Charles von Graimberg.

Das Graimbergzimmer

Der französische Graf Charles de Graimberg trägt zurecht den Titel : „Retter der Schlossruine“. Er bezog ab 1810 diesen Raum im gläsernen Saalbau und beschloss, die dem Verfall preisgegebene Anlage vor dem Untergang zu bewahren. Er sammelte und ordnete akribisch alles, was er an Kunstschätzen der Vergangenheit finden konnte. Diese Arbeiten legten den Grundstein für das heutige kurpfälzische Museum in Heidelberg. Gleichzeitig ließ er es von seinen Dienern bewachen und verhinderte so, dass es wie ein Steinbruch ausgeplündert wurde.


Schloss Heidelberg, Apothekerturm

Der Turm wurde zu einem Wohnturm umgebaut.

Der Apothekerturm

Er ist  Teil der Wehranlagen an der Ostseite des Schlosses. Im Untergeschoss, mit den starken Außenmauern, war die Schlossapotheke untergebracht. Darüber erheben sich drei Stockwerke mit leichten Wänden und lichten Fenstern. Sie wurden gegen 1600  dem Untergeschoss aufgesetzt und waren im Inneren mit hölzernen Deckenkonstruktionen versehen. Sie dienten als Wohnungen für die Pagen. Dies waren junge Edelknaben, die zur Ausbildung eine Zeit lang auf dem Heidelberger Schloss verweilten. Das Schicksal ereilte den Turm im Jahre 1764, als er durch Blitzschlag völlig ausbrannte.


Schloss Heidelberg, Bibliotheksbau

Die Ruinen des Bibliotheksbaus beeindrucken durch ihre Größe.

Der Bibliotheksbau

Er entsteht um 1530, in der Regierungszeit von Ludwig V. Als erster Palast tritt er aus dem Ring der Paläste heraus und wird in den ehemaligen Zwinger gestellt. Man blickt durch die aufgerissene Aussenwand in das Innere hinein wie in eine Puppenstube. Der Bibliotheksbau bestand aus drei Stockwerken mit gewölbten Decken. Zu erkennen ist noch der Stumpf der Mittelsäule im Hauptgeschoss, sowie an den Wänden die Anfänger der Rippengewölbe. Auch das ehemalige Heizungssystem hat sich erhalten. So findet man in der linken Gebäudeecke, im ersten und im dritten Stockwerk, zwei offenen Kamine.


Schloss Heidelberg, gesprengter Turm

Der gesprengte Turm mit seinen massiven Mauern.

Der gesprengte Turm, auch Krautturm genannt

Als Kraut bezeichnete man früher das Schießpulver. Dieses wurde im Untergeschoss des gesprengten Turms gelagert, der daher auch Krautturm genannt wurde. Der Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde gegen 1600 unter Kurfürst Friedrich IV. massiv verstärkt. Er steht am höchsten Punkt des Schlossareals. Die ehemaligen Holzdecken der Geschosse wurden durch Stein ersetzt und mit einem Mittelpfeiler versehen. So konnten sie das Gewicht der schweren Kanonengeschütze des 16. Jahrhunderts aufnehmen. Die Stärke der äußeren Mauer beträgt an der Außenseite bis zu 6,50 Meter. Gesprengt wurde der Turm im pfälzisch-französischen Erbfolgekrieg von 1689-1693. Dabei brach ein großes Stück der äußeren Schale aus der Wand und rutschte in den Burggraben, wo es heute noch liegt.


Schloss Heidelberg, Engelsrelief über dem Eingangsportal des Ruprechtsbaus

Angeblich die Kinder des Baumeisters.

Das Engelsrelief über dem Eingangsportal des Ruprechtsbaus

Nach einer Legende zeigt das berühmte Engelsrelief die Zwillinge des Baumeisters. In Engel verwandelt tragen sie einen Rosenkranz mit Gebeten hinauf zum Himmel. Sie waren vom Baugerüst gefallen und der Vater legte traurig jeden Tag einen Rosenkranz auf ihr Grab. Eines Nachts erschienen die Kinder ihm im Traum, sprachen, dass sie jetzt im Himmel sehr glücklich seien und brachten als Zeichen den Kranz zurück. Diesen fand der Vater tatsächlich am Morgen in seiner Stube. Zum Dank erschuf er das Engelsrelief. Sich selbst verewigte der Baumeister im Symbol des Zirkels im Innern des Kranzes.


Schloss Heidelberg, Gefängnisturm

Der Gefängnisturm „Seltenleer“.

Der „Seltenleer“

Der Gefängnisturm des Heidelberger Schlosses, der „Seltenleer“, steht im Burggraben am Eckpunkt der alten Außenmauer der Schlossbefestigung. Er stammt aus der Zeit 1530, der Regierungszeit Ludwig V. und war Teil der umfassenden Erneuerungen der Wehranlagen in dieser Zeit. Der makabere Name geht auf seine Funktion als Gefängnis zurück, welches meist „ziemlich voll“ war. Der Turm bestand aus 3 Stockwerken, wobei das obere (wie gut zu sehen) etwas auskragte. Die Geschossdecken bestanden aus Holzbalken, deren Kragsteine man heute noch sehen kann. Die Tür in der Rückwand des mittleren Stockwerks führt hinaus in den Schlosshof. Die Gefangenen wurden im untersten Geschoss festgehalten. Dieses hatte weder Fenster noch Treppen, sondern war nur über Leitern zu erreichen. Die armen Gefangenen wurden mit Seilen in das finstere Loch hinabgelassen. Die Wandstärke beträgt knapp 3 Meter, an Ausbruch war also nicht zu denken.


Schloss Heidelberg, Modell des Schlosses um 1620

Das Modell zeigt das Schloss wie es um 1620 aussah.

Ein Modell des Heidelberger Schloss

Das Modell des Heidelberger Schloss zeigt das Schloss in all seiner Pracht vor den großen Zerstörungen. Es zeigt das Aussehen des Schlosses um 1620, die Zeit in der Friedrich V. mit seiner Gemahlin Elisabeth Stuart aus England regierte. Im Vordergrund erkennt man die mächtige äußere Schutzmauer, Zwingmauer genannt, die stellenweise einen Durchmesser von 30 Metern erreicht. Auf der linken Seite wird sie flankiert vom dicken Turm, der eine Mauerstärke von bis zu 8 Metern besitzt. Dahinter folgen der Burggraben und der Ring der Paläste. Im Hintergrund finden sich die prächtigen Gartenanlagen, in Weiß gehalten, da sie im Unterschied zu den Schlossgebäuden nie ganz fertiggestellt waren. Verwirrend und reizvoll ist die Verschachtelung von Wohngebäuden und Wehranlagen. Zu sehen ist das Modell im Ruprechtsbau im Erdgeschoss.


Schloss Heidelberg, Elisabethentor

Für die „vielgeliebten“ Ehefrau gebaut: das Elisabethentor.

Das Elisabethentor

Im Jahre 1615 erhält Elisabeth Stuart von ihrem Gemahl Friedrich V. dieses Tor als Geschenk zum 19. Geburtstag. Angeblich wurde es in der Nacht zuvor aus Einzelstücken zusammengefügt und als Überraschung präsentiert. Es gilt als Symbol einer großen Liebe. Zwischen den Giebeln findet sich die Widmung „meiner vielgeliebten Gemahlin“. Über dem Eingangsbogen agieren Flora und Pomona, die römischen Göttinnen der Blumen und Früchte. Errichtet wurde es von Salomon de Caus, dem Gestalter des „Hortus Palatinus“, des Heidelberger Schlossgartens. Es markiert den Eingang zum sogenannten Stückgarten, dem Privatgarten von Elisabeth. Dort waren vorher Kanonen aufgestellt, die man als „Stücke“ bezeichnete.


Schloss Heidelberg, Säulen des Elisabethentor

Die reichverzierten Säulen des Elisabethentors.

Die Säulen des Elisabethentores

Die Säulen des Tores sind als Baumstämme gestaltet mit Astwerk und Blättern. Die Gestaltung ist typisch für die Epoche des Manierismus, die als eine Art Gegenbewegung der Renaissance folgte. Der Manierismus wehrt sich gegen die strengen, auf Regelmäßigkeit und Ordnung bedachten Systeme der Renaissance. Stattdessen setzt der Manierismus auf das Überraschende, Ungeordnete, das Verdrehte und das Instabile. Der Überlieferung nach sind diese Säulen ein Zeichen der Liebe zwischen Kurfürst Friedrich V. und seiner Ehefrau Elisabeth Stuart. Im Astwerk versteckt finden sich allerlei Tiere, deren Auffinden angeblich beide in Entzücken versetzte.