Gebaut oder gemeisselt Geschichtshäppchen

In Schloss Heidelberg wurde Geschichte geschrieben. Es haben sich aber auch tagtäglich Geschichten und Geschichtchen ereignet. Manche wurden in Stein gemeißelt. Als „Häppchen“ aufbereitet serviert diese Reihe in reglmäßigen Abständen die verschiedensten  Ereignisse und Begebenheiten. 

Schloss Heidelberg, Altan

Eine Schlossterrasse mit Ausblick: der große Altan.

Der große Altan

Der große Altan, die große Schlossterrasse stammt aus der Zeit von Friedrich IV.

Er wurde oberhalb zweier Wehrbauten angelegt, der Torburg von Johann Kasimir und der Altanhalle von Friedrich IV. Vom Friedrichsbau ist er durch einen acht Meter breiten Zwischenraum getrennt, durch welchen der nördliche Schlosszugang geführt wird.

Die weitläufige Altanfläche wird von Balustraden begrenzt. An den Eckpunkten sind frühbarocke Pavillons errichtet, von denen aus die Hofgesellschaft die Schönheit des Ausblicks bewundern konnte.


Schloss Heidelberg, Renaissance Paläste

Ottheinrichsbau, Friedrichsbau und gläserner Saalbau: die drei Renaissance Paläste.

Drei mal Renaissance

Das Bild vereinigt die drei Renaissance Paläste des Heidelberger Schlosses. In der Mitte befindet sich der älteste, der gläserne Saalbau, ungefähr 1545. Er zeigt noch die etwas plumpen Formen, die typisch sind für den Beginn der Adaption dieses neuen Stils in Deutschland.

Rechts davon steht der Ottheinrichsbau aus dem Jahre 1556. Er kommt, in der Ausbildung seiner Formensprache, der Zartheit des italienischen Stilvorbildes am nächsten.

Der Friedrichsbau zur Linken, aus dem Jahre 1607 ist ein gutes Beispiel für die deutsche Renaissance. Die Formensprache ist plastischer und wuchtiger als das italienische Vorbild, mit einem deutlichen Zug in die Vertikale.


Schloss Heidelberg, Eingang Ottheinrichsbau

Als eine Art Triumphtor gestaltet: das Eingangsportal am Ottheinrichsbau.

Das Eingangsportal des Ottheinrichbaus

Oberhalb einer Freitreppe öffnet sich das Eingangsportal als eine Art Triumphtor gestaltet, rundbogig, flankiert von Pfeilerfiguren und von einem Gebälk bekrönt. Die Inschrift innerhalb des Gebälks verweist auf Ottheinrichs gehobene Stellung als Pfalzgraf, Kurfürst und Herzog. Die Konsolen werden von Musikinstrumenten verziert.

Darüber findet sich das Wappen der Wittelsbacher, begleitet von Karyatiden. Daneben sieht man zwei Löwenreliefs, die mit Löwen kämpfende Männer zeigen. Links gewinnt der Löwe, rechts der Mensch. Sie sollen Verweise sein auf die vita complentativa und die vita activa.


Schloss Heidelberg, der untere Fürstenbrunnen

Verziert mit Korallen und Muscheln: der untere Fürstenbrunnen.

Der untere Fürstenbrunnen

Der untere Fürstenbrunnen befindet sich im Burggraben, unterhalb der Hauptterrasse des Hortus Palatinus. Zur Ergänzung des oberen Fürstenbrunnens ließ ihn Kurfürst Karl Theodor im Jahre 1767 errichten. Das Innere des Brunnenhauses ist versehen worden mit Relikten und Ausstattungsresten der Grotten des Hortus Palatinus. Die Rückwand ist verziert mit Korallen und Muscheln aus der ehemaligen großen Grotte. Oberhalb der Eisentür, hinter der sich der Brunnenschacht befindet, sieht man die Figur eines Flussgottes. Sie stammt, als einzig verbliebener Stück, aus einer Figurengruppe in der ehemaligen kleinen Grotte.


Schloss Heidelberg, Schlosskapelle, Nahaufnahme Altar

Der barocke Altar in der Schlosskapelle ist aus Holz anstatt aus Marmor.

Der Altar der Schlosskapelle

Der Altar stammt aus der Barockzeit, geschaffen vom Niederländer Jan Schoon. Das Material ist nicht Marmor, sondern bemaltes Holz.
Das Gemälde zeigt die Taufe Christi, mit Jesus im Zentrum, zur Linken Johannes der Täufer, der ihn mit Wasser aus einer Muschelschale tauft. Flankiert wird das Gemälde von den Figuren der heiligen Petrus und Paulus mit ihren Märtyrer Instrumenten. Paulus mit dem Schwert und Petrus mit dem umgedrehten Kreuz. Über allem schwebt Gottvater, begleitet von den Engeln und als Bekrönung sieht man die Taube, das Symbol des Heiligen Geistes.


Schloss Heidelberg, Außenansicht Friedrichsbau

Der Hauptpaläste der deutschen Renaissance: Der Friedrichsbau.

Der Friedrichsbau

Der Friedrichsbau entsteht 1607 und hatte am wenigsten von allen Palästen unter Beschädigungen zu leiden. Zwar war das Innere mehrmals ausgebrannt, aber die Fassaden sind fast vollständig erhalten geblieben.

Der Friedrichsbau gilt als einer der Hauptpaläste der deutschen Renaissance. Zwei Künstler haben ihn im wesentlichen gestaltet. Johannes Schoch als Architekt und Sebastian Götz als Bildhauer. Ihm verdanken wir die sechzehn monumentalen Statuen, welche die Hoffassade schmücken. Es handelt sich um eine Art Stammbaum in Stein und zeigt Herrschergestalten aus dem Geschlecht der Wittelsbacher.


Schloss Heidelberg, Karlsschanze

Das Wappen zeigt die Symbole der Wittelsbacher.

Das Wappen an der Karlsschanze

Die Karlsschanze ist ein Verteidigungsbau, den Kurfürst Karl 1683 errichten ließ.

Das zentrale Wappen zeigt die Symbole der Wittelsbacher mit Löwe und Rauten. Der Rand ist als Gürtelschnalle ausgeführt, die auf den Hosenbandorden verweist, dessen Leitspruch „ Honi soit qui mal y pense“ eingraviert ist.

Bekrönt wird es vom Kurhut, der von einem gekrönten Löwen gehalten wird. Unterhalb des Wappens hängt ein kleiner Elefant, das Symbol des Elefantenordens, dessen Mitglied Karl ab 1671 geworden war. Als Basis sieht man Kanonen, die auf die Funktion der Karlsschanze verweisen.


Schloss Heidelberg, Englischer Bau

Der jüngste der Heidelberger Schlosspaläste: Der englische Bau.

Der englische Bau

der englische Bau ist der jüngste der Heidelberger Schlosspaläste. Er entsteht um 1610 und war die Residenz von Friedrich V. und seiner englischen Gemahlin Elisabeth Stuart.

Da im Schlosshof kein Raum mehr war, stellte man ihn außerhalb des Hofes auf eine alte Festungsmauer, den Nordwall. Er war ein dreistöckiges, repräsentatives Bauwerk im sogenannten „Palladiostil“, einer Kunstrichtung der italienischen Spätrenaissance.

Die Treppenanlagen auf der linken Seite bieten direkten Zugang in den privaten Lustwandelgarten sowie zum Theater auf dem dicken Turm.


Schloss Heidelberg, Innenansicht Schlosskapelle

Die Schlosskapelle befindet sich im Untergeschoss des Friedrichbaus.

Die Schlosskapelle

Das Untergeschoss des Friedrichbaus wird gebildet von der Schlosskapelle. Sie ist ein einschiffiger Saalbau vom Typus der Wandpfeilerkirche mit Emporen zu beiden Seiten. Diese werden von mächtigen Pfeilern getragen, auf denen flach gespannte Korbbögen ruhen. Den Pfeilern vorgelagert finden sich Halbsäulen, von denen, der Gotik nachempfundene, Rippengewölbe aufsteigen. Diese sind als drei hintereinander liegende Sterngewölbe ausgeführt. Im Chor steht der Hochaltar, kombiniert mit einer Sängerempore. Oberhalb befinden sich beidseitig die fürstlichen Logen.


Schloss Heidelberg, Gedenkstein von Kurfürst Karl

Steinerne Erinnerung an eine Heldentat: der Gedenkstein von Kurfürst Karl.

Der Gedenkstein von Kurfürst Karl

Kurfürst Karl war der Bruder von Liselotte von der Pfalz. Er hatte Zeit seines Lebens ein kindliches Gemüt. Ein Beispiel zeigt dieser Stein, den Karl anfertigen ließ, als Erinnerung an eine Heldentat. Er liebte Kriegsspiele und ähnlichen Zeitvertreib. Wie die Inschrift zeigt, war es ihm im Jahre 1681 gelungen aus „Stücken mit Kugeln, Kugeln zu treffen“.

Mit Stücken sind Kanonen gemeint. Es bedeutet, dass man Kanonen sich gegenüber aufstellte und es war ihm nach langen Versuchen gelungen, dass sich die Kugeln der Geschütze in der Luft trafen.


Schloss Heidelberg, Schildmauer

Sie schützte das Schloss vor Angriffen: die Schildmauer.

Die Schildmauer

Die zehn Meter hohe, mächtige Schildmauer schützt das Schloss vor Angriffen von Süden, von der Bergseite her. Gegen 1520 wurde ihre Mauerstärke auf sieben Meter erweitert und die obere Mauerkrone als Geschützstellung ausgebaut. Sie ist begehbar und war mit einem hölzernen Dach versehen. Man sieht noch die Öffnungen der Schießscharten.

Ursprünglich war sie komplett mit Sandsteinquadern verkleidet. Die heutigen Fehlstellen entstanden durch Abschlagen der Steine im 18. und 19. Jahrhundert, entweder für den höfischen Bedarf oder als Raub durch die Bevölkerung.


Schloss Heidelberg, gläserner Saalbau

Entstanden um 1550: der gläserne Saalbau.

Der gläserne Saalbau

Der gläserne Saalbau entsteht um 1550 und seine Name geht zurück auf einen, mit venezianischen Spiegeln ausgestalteten Festsaal, der sich ehemals im oberen Stockwerk befand.

Es ist der erste Palast des Schlosses, der die Gotik hinter sich lässt und sich der, aus Italien stammenden, Renaissance zuwendet. Sehr typisch dafür sind die übereinanderliegenden Arkadengänge der Hoffront. Diese Bogenstellungen erinnern an italienische Loggien und werden von antikisch anmutenden Säulen getragen. Nur ihre gedrungene, massive Formgebung zeigt die Unerfahrenheit mit dem neuen Stil.


Schloss Heidelberg, das Strangkatzenziehen

Eine seltene Darstellung unterhalb des Wappens: das Strangkatzenziehen.

Das Strangkatzenziehen

Unterhalb des Wappens am Ludwigsbau sieht man die seltene Darstellung des „Strangkatzenziehens“. Dies war ein beliebtes Spiel und eine Kraftprobe für die jugendlichen Adligen, die im Ludwigsbau und in dem dahinter gelegenen Glockenturm ihre Wohnräume hatten.

Man sieht zwei Affen, auf Knie und Hände gestützt, die ein Seil um ihre Nacken geschlungen haben. Damit versuchen sie nun, wie beim Tauziehen, den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und auf ihre Seite zu ziehen.


Schloss Heidelberg, Fassbau an der Neckarseite

Der Fassbau an der Neckarseite des Schlosses.

Der Fassbau

1589 lässt Johann Casimir den Fassbau an der Neckarseite des Schlosses errichten.
Er besteht aus zwei übereinanderliegenden, gewölbten Sälen.
Das Untergeschoss diente zur Aufnahme des berühmten riesigen Heidelberger Weinfasses, welches schon in dieser Zeit als Sehenswürdigkeit galt.
Das Obergeschoss wir von großen, den Formen nach, spätgotischen Fenstern erhellt. Sie sind als dreiteilige Spitzbogenfenster konstruiert, gefüllt mit Stabwerk und Maßwerk.
Den oberen Abschluss bildet ein, von Balustern gesäumter, Aussichtsaltan.


Schloss Heidelberg, Altanhalle

Ein Verteidigungsbau aus der Zeit um 1607: der Schlossaltan.

Die Altanhalle

Unterhalb der großen Schlossterrasse, des Schlossaltans, befindet sich die Altanhalle. Sie ist ein Verteidigungsbau aus der Zeit um 1607. Die mächtigen Außenmauern haben ein Stärke von 1,70 Metern. Ihnen vorgelagert sind Halbsäulen, auf denen sich weite Kreuzrippengewölbe erheben.

Die Öffnungen zur rechten Seite, der Stadtseite, ermöglichen den Einsatz als Kanonenstellung. Zur linken Seite, der Schlossseite, sind Schießscharten in die Wände eingearbeitet. Diese ermöglichen den Beschuss der Altanhalle vom Schlosse her, falls Feinde in sie eingedrungen sein sollten.


Schloss Heidelberg, Wappentafel Ruprechtsbau

Aus dem Jahr 1545: die Wappentafel am Ruprechtsbau.

Die Wappentafel am Ruprechtsbau

Die Wappentafel wurde im Jahre 1545 von Conrad Forster erschaffen und befindet sich an der Hoffassade des Ruprechtsbaus.

Die Tafel besteht aus drei Schilden und zeigt das Wappen der Wittelsbacher aus der Pfälzer Linie. Der Löwe ist das Symbol für die Kurpfalz und die eigentlich weißblauen Rauten verweisen auf die Verwandten aus der bayrischen Linie.

Der dritte Schild, mit Ranken versehen und eigentlich rot, ist der Regalienschild. Er verweist auf die Würde des Reichvikariats, das Recht des Reichverwesers, bei Abwesenheit des Kaisers das Deutsche Reich verwalten zu dürfen.


Schloss Heidelberg, Frauenzimmer

In den oberen Stockwerken des Gebäudes wohnten die Hofdamen, daher der Name: Frauenzimmer.

Der Frauenzimmerbau

Der Frauenzimmerbau war einst ein dreigeschossiger Palast aus der Zeit Ludwig V, entstanden um 1530. Die Außenfassaden waren mit kunstvoller Scheinarchitektur bemalt. In den beiden oberen Stockwerken wohnten die Hofdamen, die Frauenzimmer. Daher auch der Name.

Überlebt hat nur das Erdgeschoss, welches den Festsaal des Schlosses, den Königsaal beherbergt, ein Raum mit einer Grundfläche von annähernd 600 Quadratmetern. Typisch für die Zeit um 1500 sind die, teilweise rekonstruierten, spätgotischen Drillingsfenster mit erhöhtem Mittelteil. Auf der rechten Seite befindet sich das barocke Hauptportal mit einem rustizierten Rundbogengewände.


Schloss Heidelberg, Friedrichsbau Innenansicht

Prachtvoll gestalteter Flur im Friedrichsbau.

Die Innenräume des Friedrichbaus

Die Gestaltung der Innenräume des Friedrichbaus ist das Werk von Karl Schäfer aus der Zeit um 1900. Seine Wiederherstellung greift auf die Formensprache der Renaissance zurück und vermischt diese mit den Stilelementen der Gründerzeit um 1880.
Vom breit angelegten Flur führen zur Rechten stark ornamentierte Türen in die Innenräume hinein. Geweihe und ein Hirsch zieren die Flurwände und erinnern an die Jagdleidenschaft der Kurfürsten.
Hier sind seit jener Zeit auch die Originalfiguren von der Außenfassade des Palastes eingestellt.


Schloss Heidelberg, Scheffelterasse

Der Name "Scheffelterrasse" geht zurück auf den Dichter Victor von Scheffel, dem hier eine Bronzestatue errichtet wurde.

Die Scheffelterrasse

Die Scheffelterrasse bildet die Weiterführung der Hauptterrasse des Hortus Palatinus in nördlicher Richtung. Ihr Name geht zurück auf den Dichter Victor von Scheffel, dem hier eine Bronzestatue errichtet wurde. Diese ist heute einem Gedenkstein gewichen. Er hat der Stadt das berühmte Lied „ Alt Heidelberg du Feine, du Stadt an Ehren reich“ hinterlassen.

Man erkennt gut die monumentalen Unterbauten der Terrasse. Die gewaltigen Rundbögen sichern den Hang und stützen die gesamte Gartenanlage.


Schloss Heidelberg, Ruprechtsbau

Das älteste Wohngebäude des Schlosses: der Ruprechtsbau.

Der Ruprechtsbau

Der Ruprechtsbau ist das älteste Wohngebäude des Schlosses. Als Baumeister gilt der Frankfurter Bildhauer Madern Gertener, der auch das Engelsrelief über dem Portal gestaltete.

Das Gebäude wurde als königliche Residenz konzipiert, da Kurfürst Ruprecht III  im Jahre 1400 zum deutschen König Ruprecht I gekürt wurde.

Auf dem massiven, schmucklosen Erdgeschoss erhob sich bis 1500 ein Oberbau aus Fachwerk. Das Drillingsfenster mit erhöhtem Mittelteil im Erdgeschoss entspricht wohl dem Originalzustand, wogegen die Rundbogenfenster mit ehemaliger Maßwerkfüllung dem Umbau um 1500 entspringen.


Schloss Heidelberg, Hirschgraben

Der mächtigste Wehrgraben des Schlosses: der Hirschgraben.

Der Hirschgraben

Der Hirschgraben ist mit 23 Metern Breite der mächtigste Wehrgraben des Schlosses. Er ist ein Teil des starken Ausbaus der westlichen Verteidigungsanlagen unter Ludwig V.

Der Name stammt aus der Zeit als er, angefüllt mit Wild, dem fürstlichen Jagdvergnügen diente,

Der Graben wir von einem Bach durchflossen, der mit einer Vorrichtung zum Aufstauen versehen ist. So konnte möglicherweise eine leichte Überflutung erzielt werden, die zur Verteidigung oder zum Eislaufen diente. Der Fuß des Grabens ist mit einem vorspringenden Bankett zum trockenen Umschreiten versehen.


Schloss Heidelberg, Glockenturm

Der Glockenturm liegt am höchsten Punkt des Schlossareals.

Der Glockenturm

Der Glockenturm erhebt sich aus einem kompakten, wehrhaften Sockelbau. Dieser runde Festungssockel ist mit Kanonenstellungen und Schießscharten versehen.
Darüber erheben sich die zurückgesetzten, achteckigen, lichten Obergeschosse aus der Zeit Friedrich II um 1540. Sie sind mit zarten, gotischen Zwillingsfenstern geschmückt und zeigen noch stellenweise die authentische Wandverputzung. Im oberen Aufsatz war eine Glocke installiert.
Der Turm liegt am höchsten Punkt des Schlossareals und war daher auch der Ort, an dem 1764 der Blitz einschlug und ihn ausbrennen ließ.


Schloss Heidelberg, Freitreppe

Im dreißigjährige Krieg wurde aus der Freitreppe eine Wand mit Schießscharten.

Krieg und Frieden

Hier findet sich ein gutes Beispiel für die Änderung der Zeit mit entsprechenden Änderungen der Interessen.
Der englische Bau, das Theaterstockwerk des dicken Turmes, die Freitreppe hinab in den Stückgarten sind typische Momente höfischer Prachtentfaltung. Kurz darauf beginnt der dreißigjährige Krieg und plötzlich interessiert nur noch die Wehrhaftigkeit.
In Eile wird eine Wand mit Schießscharten vor die Treppe gestellt, und der Stückgarten zu einem kleinen Notgraben ausgehoben. Später wurde der Graben, wie man sehen kann, mit kleineren Steinen wieder geschlossen.


Schloss Heidelberg, Fürstenbrunnen

Eines der wenigen Schlossbauwerke aus der Zeit des Barock: der obere Fürstenbrunnen.

Der obere Fürstenbrunnen

Der obere Fürstenbrunnen ist eines der wenigen Schlossbauwerke aus der Zeit des Barock.
Die Jahreszahl 1738 ist neben dem Spiegelmonogramm von Kurfürst Karl Philipp über dem Türsturz eingemeißelt. Eine Treppe führt hinab zur Quelle, die mit dem Brunnenhaus überbaut wurde. Von hier aus wurde über lange Zeit das Mannheimer Schloss mit Wasser versorgt. Über hundert Maultiere trugen jede Nacht das Wasser in Schläuchen auf dem Rücken, in langen Kolonnen in das 25 Kilometer entfernte Mannheim. Im dortigen, sumpfigen Untergrund war keine geeignete Quelle gefunden worden.


Schloss Heidelberg, Ausßenansicht Ökonomietrakt

Bedacht auf Zweckmäßigkeit: der Ökonomietrakt.

Der Ökonomietrakt

Wie der Name schon vermuten lässt, sind diese Gebäudeteile in ihrer Ausgestaltung schmucklos und auf Zweckmäßigkeit bedacht. Im Wesentlichen stammen sie aus der Zeit Ludwig V.
Der linke Bereich beherbergt die eigentlichen Ökonomiegebäude: Küche, Backhaus, Schlachthaus, Hühnerstall. Im oberen Stockwerk waren die Schlafräume des Gesindes.
Der rechte Bereich, begrenzt von der Brunnenhalle, wird Soldatenbau genannt und diente diesen als Schlaf und Aufenthaltsraum. Glücklicherweise wurde der Trakt vom Feuer fast ganz verschont und ist daher in einem sehr guten Erhaltungszustand.


Schloss Heidelberg, Galerie

Sie wurde als überdachte, prachtvolle Wandelhalle gestaltet: die sogenannte Galerie.

Die sogenannte Galerie

Die sogenannte Galerie befindet sich auf der oberen Terrasse des ehemaligen Hortus Palatinus.
Sie war als überdachte, prachtvolle Wandelhalle gestaltet. Die Eingangsfassade wurde getragen von elf, mit manieristisch verzierten Ringen, geschmückten Säulen, deren Schäfte man hier noch sieht.
Die kleine Gittertür auf der rechten Bildseite führt in die kleine Grotte. Diese war eine kostbar ausgestaltete künstliche Grotte, mit Muscheln und Korallen versehen und mit Oberlichtern und Wasserspielen versorgt.


Schloss Heidelberg, Brückenhaus

Es bewacht und kontrolliert den Eingang: das Brückenhaus.

Das Brückenhaus

Das Brückenhaus ist ein zweigeschossiges Gebäude mit einer, von Kreuzrippen getragenen, zentralen Durchgangsöffnung. Es bewacht und kontrolliert den Eingang in den inneren Schlossbereich. Es steht vor dem eigentlichen Burggraben und ist mit einem eigenen kleinen Grabensystem versehen.

Im linken, mit einem Erker versehenen Erdgeschossbereich saß die Wachmannschaft, in der Mitte ist die Durchfahrt für die Fuhrwerke. Auf der rechten Seite sieht man einen herablassbaren Holzsteg, eine Art Zugbrücke für die Passanten. Das obere Stockwerk war bis gegen 1720 in Fachwerk ausgeführt.


Schloss Heidelberg, Torturm

Mit 52 Metern der höchste Turm des Schlosses: der Torturm.

Der Torturm

Der Torturm ist mit 52 Metern der höchste Turm des Schlosses. Als Einziger hat er den Sprengversuchen im pfälzischen Erbfolgekrieg widerstanden.

Er reicht bis auf den Grund des Burggrabens hinab und besteht aus 5 Geschossen. Das Untergeschoss diente als Verliess. Im Erdgeschoss befindet sich der Tordurchgang, der Haupteingang in den Schlosshof, gesichert mit Fallgattern und mächtigen Toren. Im obersten Stockwerk ist die golden leuchtende Turmuhr angebracht. Der abschließende, geschweifte Turmhelm stammt aus dem Jahr 1718.


Schloss Heidelberg, Torriesen am Torturm

Die Torriesen bewachen den Schlosseingang.

Die Torriesen

Am Torturm über dem Schlosseingang befindet sich ein Kunstwerk aus der Übergangzeit von der Gotik in die Renaissance. Mit langen Lanzen bestückt, bewachen die sogenannten Torriesen den Schlosseingang. Die Torriesen flankieren einen Rahmen im Formenkanon der Renaissance, darin ein Rundbogen mit den Formen eines gotischen Maßwerks. Zwei Löwen sitzen unterhalb des Rundbogens und päsentieren das Schwert und den Reichsapfel. Zwischen ihnen befand sich einer der großen Schätze des Schlosses, ein Wappenschild der Heidelberger Kurfürsten aus massivem Silber. Bei der Eroberung 1689 wurde es abgeschlagen und nach Frankreich transportiert.


Schloss Heidelberg, Detailansicht Tür

Kleine Einlasspforte mit eisernen Klopfring am großen Hoftor im Torturm.

Der Hexenbiss

Am großen Hoftor im Torturm befindet sich eine kleine Einlasspforte mit einem eisernen Klopfring.
Dieser zeigt am unteren Rand eine Einkerbung. Darauf bezieht sich die Sage vom Hexenbiss.

Laut einer alten Legende hieß es, dass derjenige Besitzer des Schlosses und all seiner Schätze wird, dem es gelingt, den eisernen Ring zu durchbeißen.
Einer Hexe, die des Weges kam, gelang es eine Kerbe hinein zu beißen. Aber ein zweiter Biss blieb der Hexe verwehrt, da ihr bei dem ersten Versuch der letzte Zahn ausgefallen war.


Schloss Heidelberg, Sattelkammer

Die Sattelkammer liegt außerhalb des Hofes, gegenüber dem Torturm.

Die Sattelkammer

Die sogenannte Sattelkammer liegt außerhalb des Hofes, dem Torturm gegenüber und lehnt sich mit der Rückseite an den Bergfelsen. Sie war im Ursprung wohl Teil eines kleinen Befestigungswerkes mit Turmbau, zum Schutze des Schlosseingangs.
Später wurde sie in die Anlagen des Hortus Palatinus integriert. Man nutzte sie als Unterbau für die auf ihr verlaufende, obere Terrasse. Mit ihren großen Rundbogenöffnungen diente die Sattelkammer als Remise, also als Raum zur Aufbewahrung von Geräten und Fahrzeugen und für Stallungen.


Schloss Heidelberg, Terrassenanlagen des Hortus Palatinus

Auch technisch eine Meisterleistung: die Terrassen des berühmten Hortus Palatinus.

Die Terrassenanlagen des Hortus Palatinus

Die Terrassen des Hortus Palatinus sind das Ergebnis einer gewaltigen Energieleistung. Sie liegen in einem schluchtartigen Talschluss, dem Friesental, und sind der Nachfolger des sogenannten Hasengartens, eines kleinen Burggartens östlich des Schlosses.
Auf mächtigen Unterbauten ruhend, entstanden sie sozusagen aus dem Nichts. Bis zu zwanzig Meter hohe Stützmauern, im Innern mit hunderten Baumstämmen verstärkt, tragen insgesamt vier Terrassen. Zuvor mussten noch Felsen gesprengt und endlose Erdbewegungen zur Auffüllung des Geländes geleistet werden.


Schloss Heidelberg, Springbrunnen

Der Springbrunnen in spätgotischen Formen diente als Zierbrunnen.

Der Springbrunnen im Schlosshof

In einem fast zehn Meter breiten Bassin erhebt sich der dreiteilige Springbrunnen in spätgotischen Formen. Er besteht aus zwei übereinander platzierten Brunnenschalen, die durch eine ornamentierte Säule verbunden sind.

Errichtet wurde er gegen 1520 und blieb bis 1720 in Benutzung. Er diente dem Hofe eher als Zierbrunnen, als zur Wasserversorgung.  Die Bewohner erfreuten sich an den Wasserfontänen und das Bassin diente als Aquarium. Versorgt wurde er durch einen Wasserkanal, den man vom Hortus Palatinus zur Küche und zum Schlosshof führte.


Brunnenhalle, Schloss Heidelberg

Die Brunnenhalle, erschaffen unter Ludwig V zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

Die Brunnenhalle

Erschaffen wurde sie unter Ludwig V zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Durch ihre Leichtigkeit und Zartheit unterscheidet sie sie stark von dessen anderen Bauten.
Vier Säulen und zwei Halbsäulen tragen tief eingeschnittene Spitzbögen, über denen sich ein weites Kreuzrippengewölbe spannt. Die Säulen sind im Unterschied zum restlichen Schloss nicht aus Sandstein, sondern aus Granit und stammen noch aus römischer Zeit. Sie fanden Verwendung in der Kaiserpfalz in Ingelheim und wurden von Ludwigs Vater auf das Heidelberger Schloss gebracht.


Schloss Heidelberg, Kamin

Der Prachtkamin im Erdgeschoss des Ruprechtbaus.

Der Prachtkamin von Friedrich II.

Einst stand er im Speisesaal des gläsernen Saalbaus, dann war er leider lange Zeit unter freiem Himmel der Witterung ausgesetzt und nun befindet er sich im Erdgeschoss des Ruprechtbaus.
Er stammt aus dem Jahre 1546, wie eine kleine Jahreszahl an de Frontseite verkündet und ist ein schönes Beispiel für die Bildhauerkunst der deutschen Renaissance. Der Oberbau lagert auf zwei ausladenden Konsolen und der Aufbau entspricht der antiken Formensprache mit aufeinander folgenden Architrav, Fries und Gesims. Auch die Ornamentik ist mit Eierstab und Perlschnüren der Antike entlehnt.


Schloss Heidelberg, Kaisersaal

Der Festsaal im Erdgeschoss des Ottheinrichbaus: der Kaisersaal.

Der Kaisersaal

Der Kaisersaal ist der Festsaal im Erdgeschoss des Ottheinrichbaus. Sein Name geht zurück auf Kaiser Maximilian II, der hier 1570 zu Besuch weilte. Damals war er von sechs Kreuzgratgewölben überspannt. Man sieht an den Wänden die Reste der Konsolen, von denen sich die Gewölbe erhoben. Zum Teil erhalten und teilweise rekonstruiert sind die mächtigen Mittelpfeiler, auf denen die Gewölbe ruhten. An den Wänden aufgereiht, befinden sich heute die Originalfiguren von der Außenfassade des Ottheinrichbaus.


Schloss Heidelberg, Vater Rhein

Vater Rhein, auf einer Felsen- und Grottenlandschaft gebettet.

Der Vater Rhein

Die monumentale Figur des Vater Rhein befindet sich im hinteren Bereich des ehemaligen Hortus Palatinus. Er liegt auf einer Felsen- und Grottenlandschaft gebettet, von Amphoren umgeben, im mittleren von drei Wasserbassins.

Um 1970 waren diese Bassins, wie auch die Figur des Vater Rheins, Teil einer umfassenden Instandsetzung des von Salomon de Caus gegen 1620 errichteten Prachtgartens. Den Rhein als Flussgott in diesem Garten zu zeigen, verweist auf die Bedeutung, die der Besitz von Teilen dieses Flusses für die Kurfürsten besaß.


Schloss Heidelberg, Goethe-Bank im Schlossgarten

Die Goethe Bank wurde im hinteren Schlosspark errichtet.

Die Goethe Bank

1819 erschien Goethes Werk „der west-östliche Divan“. Darin wird im Buch Suleika die Liebesgeschichte Suleikas mit Hatem in Rede und Gegenrede erzählt.
Hinter den Namen verbergen sich Goethe und Marianne von Willemer. Im Jahre 1815 haben sie sich zu regelmäßigen Spaziergängen auf dem Schloss getroffen.
Der Wiedehopf im Zentrum der Bank gilt im Orient als Liebesbote. Ober und unterhalb des Reliefbildes sind verblasste Textauszüge der Liebesgedichte zu lesen.
1919 wurde die Bank auf Anregung der Heidelberger Professoren im hinteren Schlosspark errichtet.

 


Schloss Heidelberg, Ludwigsbau

Der Wohnpalast von Ludwig V.: der Ludwigsbau.

Der Ludwigsbau

Der Ludwigsbau, der Wohnpalast seines Erbauers, Ludwig V. ist der unbekannteste der Heidelberger Schlosspaläste. Das liegt einmal an seiner versteckten Position im Schlossgeviert, hinter Stützmauern, Brunnen und Treppen. Zudem musste seine nördliche Hälfte dem späteren Ottheinrichsbau weichen. Abgetragen wurde er bis zum Treppenturm, den seitdem beide Paläste gemeinsam nutzen.

Seine heutige Erscheinung  stammt hauptsächlich aus der spätgotischen Zeit des Schlosses, Anfang des 16. Jahrhunderts. Allerdings geht das Mauerwerk der unteren Geschosse bis in die Zeit 1300 zurück und die Fenster des Obergeschosses sind barock.


Schloss Heidelberg, Eingang zur Schlosskapelle

Nur „Gerechte“ sollen die Schlosskapelle betreten.

Der Eingang zur Schlosskapelle

„Dies ist die Pforte des Herrn. Nur die Gerechten sollen durch sie hindurchgehen.“ So heißen übersetzt die Worte über dem Eingang zur Schlosskapelle. Sie sind Teil eines Psalms aus dem alten Testament in den Sprachen Hebräisch und Latein. Es fehlt das Griechische, die dritte Sprache des alten Testaments. Gerahmt wird die Tafel von einem Renaissance Relief, geschmückt mit Engeln und Blattgirlanden. Die Schlosskapelle entstand um 1607. Sie bildet das Untergeschoss des auf ihr errichteten Friedrichbaus.

 


In diesem Schlosszimmer lebte Graf Charles von Graimberg.

Das Graimbergzimmer

Der französische Graf Charles de Graimberg trägt zurecht den Titel : „Retter der Schlossruine“. Er bezog ab 1810 diesen Raum im gläsernen Saalbau und beschloss, die dem Verfall preisgegebene Anlage vor dem Untergang zu bewahren. Er sammelte und ordnete akribisch alles, was er an Kunstschätzen der Vergangenheit finden konnte. Diese Arbeiten legten den Grundstein für das heutige kurpfälzische Museum in Heidelberg. Gleichzeitig ließ er es von seinen Dienern bewachen und verhinderte so, dass es wie ein Steinbruch ausgeplündert wurde.


Schloss Heidelberg, Apothekerturm

Der Turm wurde zu einem Wohnturm umgebaut.

Der Apothekerturm

Er ist  Teil der Wehranlagen an der Ostseite des Schlosses. Im Untergeschoss, mit den starken Außenmauern, war die Schlossapotheke untergebracht. Darüber erheben sich drei Stockwerke mit leichten Wänden und lichten Fenstern. Sie wurden gegen 1600  dem Untergeschoss aufgesetzt und waren im Inneren mit hölzernen Deckenkonstruktionen versehen. Sie dienten als Wohnungen für die Pagen. Dies waren junge Edelknaben, die zur Ausbildung eine Zeit lang auf dem Heidelberger Schloss verweilten. Das Schicksal ereilte den Turm im Jahre 1764, als er durch Blitzschlag völlig ausbrannte.


Schloss Heidelberg, Spitzkasematte

Beschusssichere Laufgänge sind Teil des Befestigungssystems an der Ostseite des Schlosses.

Die Spitzkasematte

Als Kasematten bezeichnet man beschusssichere Laufgänge mit wehrtechnischer Funktion durch Kanonenstellungen oder Schießscharten. Sie sind teil des Befestigungssystems an der Ostseite des Schlosses. Am Fuß des Apothekerturms liegt die Spitzkasematte, aus der Zeit Karl-Ludwigs 1670. Sie ist als zweigeschossige Grabensperre dem Festungsring vorgelagert. Im Erdgeschoss, jetzt von der Rasenfläche verdeckt, waren die Kanonenscharten, darüber sieht man eine Reihe von Schießscharten. Der spitze Winkel des Daches dient der Sicherheit vor den Mörserbomben, die so von der Kasematte abglitten.


Schloss Heidelberg, Bibliotheksbau

Die Ruinen des Bibliotheksbaus beeindrucken durch ihre Größe.

Der Bibliotheksbau

Er entsteht um 1530, in der Regierungszeit von Ludwig V. Als erster Palast tritt er aus dem Ring der Paläste heraus und wird in den ehemaligen Zwinger gestellt. Man blickt durch die aufgerissene Aussenwand in das Innere hinein wie in eine Puppenstube. Der Bibliotheksbau bestand aus drei Stockwerken mit gewölbten Decken. Zu erkennen ist noch der Stumpf der Mittelsäule im Hauptgeschoss, sowie an den Wänden die Anfänger der Rippengewölbe. Auch das ehemalige Heizungssystem hat sich erhalten. So findet man in der linken Gebäudeecke, im ersten und im dritten Stockwerk, zwei offenen Kamine.


Schloss Heidelberg, gesprengter Turm

Der gesprengte Turm mit seinen massiven Mauern.

Der gesprengte Turm, auch Krautturm genannt

Als Kraut bezeichnete man früher das Schießpulver. Dieses wurde im Untergeschoss des gesprengten Turms gelagert, der daher auch Krautturm genannt wurde. Der Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde gegen 1600 unter Kurfürst Friedrich IV. massiv verstärkt. Er steht am höchsten Punkt des Schlossareals. Die ehemaligen Holzdecken der Geschosse wurden durch Stein ersetzt und mit einem Mittelpfeiler versehen. So konnten sie das Gewicht der schweren Kanonengeschütze des 16. Jahrhunderts aufnehmen. Die Stärke der äußeren Mauer beträgt an der Außenseite bis zu 6,50 Meter. Gesprengt wurde der Turm im pfälzisch-französischen Erbfolgekrieg von 1689-1693. Dabei brach ein großes Stück der äußeren Schale aus der Wand und rutschte in den Burggraben, wo es heute noch liegt.


Schloss Heidelberg, Engelsrelief über dem Eingangsportal des Ruprechtsbaus

Angeblich die Kinder des Baumeisters.

Das Engelsrelief über dem Eingangsportal des Ruprechtsbaus

Nach einer Legende zeigt das berühmte Engelsrelief die Zwillinge des Baumeisters. In Engel verwandelt tragen sie einen Rosenkranz mit Gebeten hinauf zum Himmel. Sie waren vom Baugerüst gefallen und der Vater legte traurig jeden Tag einen Rosenkranz auf ihr Grab. Eines Nachts erschienen die Kinder ihm im Traum, sprachen, dass sie jetzt im Himmel sehr glücklich seien und brachten als Zeichen den Kranz zurück. Diesen fand der Vater tatsächlich am Morgen in seiner Stube. Zum Dank erschuf er das Engelsrelief. Sich selbst verewigte der Baumeister im Symbol des Zirkels im Innern des Kranzes.


Schloss Heidelberg, Gefängnisturm

Der Gefängnisturm „Seltenleer“.

Der „Seltenleer“

Der Gefängnisturm des Heidelberger Schlosses, der „Seltenleer“, steht im Burggraben am Eckpunkt der alten Außenmauer der Schlossbefestigung. Er stammt aus der Zeit 1530, der Regierungszeit Ludwig V. und war Teil der umfassenden Erneuerungen der Wehranlagen in dieser Zeit. Der makabere Name geht auf seine Funktion als Gefängnis zurück, welches meist „ziemlich voll“ war. Der Turm bestand aus 3 Stockwerken, wobei das obere (wie gut zu sehen) etwas auskragte. Die Geschossdecken bestanden aus Holzbalken, deren Kragsteine man heute noch sehen kann. Die Tür in der Rückwand des mittleren Stockwerks führt hinaus in den Schlosshof. Die Gefangenen wurden im untersten Geschoss festgehalten. Dieses hatte weder Fenster noch Treppen, sondern war nur über Leitern zu erreichen. Die armen Gefangenen wurden mit Seilen in das finstere Loch hinabgelassen. Die Wandstärke beträgt knapp 3 Meter, an Ausbruch war also nicht zu denken.


Schloss Heidelberg, Modell des Schlosses um 1620

Das Modell zeigt das Schloss wie es um 1620 aussah.

Ein Modell des Heidelberger Schloss

Das Modell des Heidelberger Schloss zeigt das Schloss in all seiner Pracht vor den großen Zerstörungen. Es zeigt das Aussehen des Schlosses um 1620, die Zeit in der Friedrich V. mit seiner Gemahlin Elisabeth Stuart aus England regierte. Im Vordergrund erkennt man die mächtige äußere Schutzmauer, Zwingmauer genannt, die stellenweise einen Durchmesser von 30 Metern erreicht. Auf der linken Seite wird sie flankiert vom dicken Turm, der eine Mauerstärke von bis zu 8 Metern besitzt. Dahinter folgen der Burggraben und der Ring der Paläste. Im Hintergrund finden sich die prächtigen Gartenanlagen, in Weiß gehalten, da sie im Unterschied zu den Schlossgebäuden nie ganz fertiggestellt waren. Verwirrend und reizvoll ist die Verschachtelung von Wohngebäuden und Wehranlagen. Zu sehen ist das Modell im Ruprechtsbau im Erdgeschoss.


Schloss Heidelberg, Elisabethentor

Für die „vielgeliebten“ Ehefrau gebaut: das Elisabethentor.

Das Elisabethentor

Im Jahre 1615 erhält Elisabeth Stuart von ihrem Gemahl Friedrich V. dieses Tor als Geschenk zum 19. Geburtstag. Angeblich wurde es in der Nacht zuvor aus Einzelstücken zusammengefügt und als Überraschung präsentiert. Es gilt als Symbol einer großen Liebe. Zwischen den Giebeln findet sich die Widmung „meiner vielgeliebten Gemahlin“. Über dem Eingangsbogen agieren Flora und Pomona, die römischen Göttinnen der Blumen und Früchte. Errichtet wurde es von Salomon de Caus, dem Gestalter des „Hortus Palatinus“, des Heidelberger Schlossgartens. Es markiert den Eingang zum sogenannten Stückgarten, dem Privatgarten von Elisabeth. Dort waren vorher Kanonen aufgestellt, die man als „Stücke“ bezeichnete.


Schloss Heidelberg, Säulen des Elisabethentor

Die reichverzierten Säulen des Elisabethentors.

Die Säulen des Elisabethentores

Die Säulen des Tores sind als Baumstämme gestaltet mit Astwerk und Blättern. Die Gestaltung ist typisch für die Epoche des Manierismus, die als eine Art Gegenbewegung der Renaissance folgte. Der Manierismus wehrt sich gegen die strengen, auf Regelmäßigkeit und Ordnung bedachten Systeme der Renaissance. Stattdessen setzt der Manierismus auf das Überraschende, Ungeordnete, das Verdrehte und das Instabile. Der Überlieferung nach sind diese Säulen ein Zeichen der Liebe zwischen Kurfürst Friedrich V. und seiner Ehefrau Elisabeth Stuart. Im Astwerk versteckt finden sich allerlei Tiere, deren Auffinden angeblich beide in Entzücken versetzte.