Montag, 4. Juli 2016

Schloss Heidelberg | Allgemeines NEUE SCHRITTE ZUR BARRIEREFREIHEIT IM SCHLOSS

Unebenes Wegepflaster mit viel Geschichte, steinerne alte Türschwellen, verwinkelte Gänge und schmale Pforten, ungleiche Treppen und malerische Geländestufen: Was zum Reiz des alten Bauwerks Schloss Heidelberg ganz wesentlich beiträgt, ist für viele Besucherinnen und Besucher ein Hemmnis und eine hohe Schwelle vor dem Besuchserlebnis. Viele kleine Schritte sind nötig, um auch für Menschen mit Behinderungen das Schloss möglichst ohne Einschränkungen zu öffnen – und nichts gibt es für den ungewöhnlichen Ort Schlossruine von der Stange. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ziehen in Schloss Heidelberg eine erste Bilanz der Möglichkeiten und blicken in die Zukunft.

Carbon-Rampen und Easy-Going-Führung: Barrierefreiheit im historischen Monument

Unebenes Wegepflaster mit viel Geschichte, steinerne alte Türschwellen, verwinkelte Gänge und schmale Pforten, ungleiche Treppen und malerische Geländestufen: Was zum Reiz des alten Bauwerks Schloss Heidelberg ganz wesentlich beiträgt, ist für viele Besucherinnen und Besucher ein Hemmnis und eine hohe Schwelle vor dem Besuchserlebnis. Viele kleine Schritte sind nötig, um auch für Menschen mit Behinderungen das Schloss möglichst ohne Einschränkungen zu öffnen – und nichts gibt es für den ungewöhnlichen Ort Schlossruine von der Stange. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ziehen in Schloss Heidelberg eine erste Bilanz der Möglichkeiten und blicken in die Zukunft.

HISTORISCHE MONUMENTE ALS HERAUSFORDERUNG
Schon die Lage auf Terrassen am steilen Neckarhang ist eine Herausforderung für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – und noch mehr sind es die unterschiedlichen historischen Bodenbeläge und Wege in Schloss Heidelberg. „In einem historischen Monument das Ziel der Barrierefreiheit anzustreben, ist absolute Detailarbeit“, erklärt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. In Schloss Heidelberg arbeitet man eng im Verbund mit der Stadt – und hat inzwischen einige größere und kleinere Schritte getan, um trotz der komplizierten Situation der berühmten Ruine für möglichst viele Menschen den Besuch so unkompliziert wie möglich zu machen. Seit Kurzem im Einsatz ist eine tragbare Rampe aus leichtem Carbon-Material: Die Schlossführer können sie flexibel einsetzen, wenn Rollstuhlfahrer in der Gruppe sind, und einen Teil der Führung zugänglich machen.

VIELE DETAILS IM ANGEBOT DES SCHLOSSES
Seit 2012, seit der Eröffnung des Besucherzentrums, stehen rollstuhlgerechte Toilettenanlagen zur Verfügung. „Der Neubau bot dem zuständigen Bauamt Mannheim von Vermögen und Bau Baden-Württemberg die Gelegenheit, sämtliche aktuellen Standards zu berücksichtigen und umzusetzen – diese Möglichkeit gibt es in den historischen Schlossmauern nicht überall“, erklärt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten. Die Staatlichen Schlösser und Gärten, zuständig für die Öffnung des Monuments, setzen vor allem bei einem differenzierten Führungsangebot an: Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es „Easy-Going-Touren“, wahlweise im Garten, im Schloss oder als Kombination. Längst gehören Führungen für Sehbehinderte und Blinde zum Programm.

SPEZIALISTEN IM PERSONAL DES SERVICECENTERS
Relativ neu dazugekommen sind Führungen in leichter Sprache. Sie wenden sich an Schlossgäste, die komplizierten Sätzen nicht gut folgen können. „Das können sowohl Menschen mit einer Behinderung sein als auch Besucher, die nur geringe Deutschkenntnisse haben“, erläutert Elisabeth Kröger vom Servicecenter im Schloss. Elisabeth Kröger ist Ergotherapeutin und Schlossführerin und setzt sich seit Jahren für die Barrierefreiheit im Schlossbereich ein. Im Servicecenter ist sie Ansprechpartnerin für mobilitätseingeschränkte Personen. „Die erste Führung für Gehörlose und Schwerhörige hat bereits stattgefunden“, erklärt Andrea Roth, eine der Geschäftsführerinnen des Servicecenters. „Gruppen können sich jederzeit anmelden.“

TECHNISCHE AUSSTATTUNG DURCH DIE SCHLOSSVERWALTUNG
Auch auf technischer Seite werden die Möglichkeiten ständig erweitert. Aktuell haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Hörhilfen angeschafft. Michael Bös, der Leiter der Schlossverwaltung, erläutert den Einsatz: „Das sind Empfänger, die auf die Frequenz von Hörgeräten eingestellt sind und verstärken, was bei der Schlossführung erzählt wird.“ Noch neu im Betrieb ist die mobile Faltrampe aus Carbon. Stufen bis zu 25 cm können damit überwunden werden. „Damit lassen sich erstmals Teile des normalen Führungsweges im Schloss auch für Rollstuhlfahrer erschließen“, erklärt Michael Bös die Vorteile. Für Gruppen, die höher gelegene Teile des Schlosses nicht erreichen können, stellt die Schlossverwaltung großformatige Fotomappen bereit, um einen Eindruck der nicht zugänglichen Schlossteile zu ermöglichen. Außerdem stehen zwei Rollstühle zur Verfügung. Als nächsten Schritt will die Schlossverwaltung mobile Stehhilfen anschaffen. Sie machen es vor allem für ältere Menschen leichter, sich bei einer Führung zwischendurch auszuruhen.

ENGE ZUSAMMENARBEIT MIT DER STADT
Das Schloss ist mit seinen Angeboten im „Inklusions-Atlas“ von Heidelberg präsent: Dieses Online-Angebot der Stadt Heidelberg erschließt vielfältige Informationen dazu, wo und wie Menschen mit Behinderungen ihre Freizeit verbringen können. „Das Schloss ist dabei gut vertreten“, erläutern die Vertreterinnen des Servicecenters und betonen die gute Zusammenarbeit und Vernetzung mit der Stadt.

INKLUSION ALS ZIEL DER GESAMTEN ARBEIT
Geschäftsführer Michael Hörrmann betont die große Bedeutung der Inklusion für die Arbeit der Staatlichen Schlösser und Gärten: „Die Monumente des Landes stehen allen offen – und wo es schwierig ist, da ist es unsere Aufgabe, Lösungen zu finden“. Die Teilhabe sei ein Teil des verfassungsmäßigen Auftrages der Staatlichen Schlösser und Gärten als Institution des Landes Baden-Württemberg. Überall, wo in den vergangenen Jahren Sanierungsarbeiten der Bauverwaltung des Landes in Monumenten stattfanden, war Barrierefreiheit daher immer auch die Richtschnur für die Arbeiten. Die Einrichtung rollstuhlgerechter Toilettenanlagen gehört längst zum Standard – wie auch im neuen Besucherzentrum des Schlosses.

VIELFALT DES PROGRAMMANGABOTES
Umfassender gedacht ist der Programmansatz der Staatlichen Schlösser und Gärten: Das Führungsangebot in den Monumenten des Landes hat sich in den vergangenen Jahren auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse eingestellt. Längst gibt es an vielen Orten Führungen für alle Altersgruppen – vom Kindergartenalter bis zu älteren Menschen, die keine langen Rundgänge bewältigen und daher vieles im Sitzen erleben können. Führungen für Blinde und Sehbehinderte und für Gehörlose gehören zum festen Programm an vielen Orten. „Menschen mit speziellen Bedürfnissen sind eine wichtige und bedeutende Besuchergruppe für die Monumente – und die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg arbeiten daran, dass sich alle willkommen fühlen können“, erläutert Michael Hörrmann.

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