Romantik pur: Die berühmteste Ruine der Welt

Schloss Heidelberg

Besucher vor dem Ottheinrichsbau; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Niels Schubert
Bauzeit: stolze 300 Jahre

Stilgeschichte

Fast jeder Kurfürst fügte Schloss Heidelberg ein Bauwerk in einem anderen Stil hinzu. Was hier ab dem 16. Jahrhundert entstand, als aus der mittelalterlichen Burg ein repräsentatives Renaissance-Schloss wurde, gehört zum Besten, was die deutsche Architektur der Renaissance zu bieten hatte. Und im 19. Jahrhundert versuchte man sich am Wiederaufbau…

Modellsaal im Ruprechtsbau von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Kreuzrippengewölbe im Ruprechtsbau.

Gotik

Weltliche Bauwerke der Gotik zeigen meist nur durch Monumentalität und Wehrhaftigkeit ihre Vornehmheit – im Gegensatz zu den fein gegliederten gotischen Kirchenbauten. So auch der Ruprechtsbau, der älteste Wohnpalast von Schloss Heidelberg: Erst in seinem Inneren gibt etwa das Kreuzrippengewölbe mit seinen Schlusssteinen den Rang als Palast zu erkennen. Eine Ahnung, wie elegant das Heidelberger Hofleben des späten Mittelalters war, vermittelt der graziöse Erker am Bibliotheksbau.

Arkadengänge am Gläsernen Saalbau von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Die Arkadengänge am Gläsernen Saalbau.

Renaissance

Die Arkadengänge am Gläsernen Saalbau von 1549 sind ganz typisch für süddeutsche Schlossbauten der Frührenaissance. Der Ottheinrichsbau, errichtet ab 1556, ist ein berühmtes Meisterwerk der Renaissance – das Idealbild eines deutschen Renaissance-Palastes. Die Fassade ist überwältigend reich geschmückt. Giebel, Säulen und Skulpturen nach antiken Vorbildern zeigen, dass der Architekt die großen Vorbilder aus Italien kannte. Die durchdachte Dekoration gilt als Hinweis auf den gebildeten Auftraggeber Kurfürst Ottheinrich.

Kurfürst Friedrich IV., Kopf einer Sandsteinskulptur, Sebastian Götz, um 1650; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Renaissanceskulptur aus Sandstein.

Spätrenaissance

Unter Kurfürst Friedrich IV. entstand 1601 bis 1607 der Friedrichsbau. Figurenschmuck und Dekoration sind, typisch für diese Zeit, üppiger und plastischer als am Ottheinrichsbau. Ab 1612 errichtete Kurfürst Friedrich V. den letzten Palast, den Englischen Bau. Die klaren Formen orientieren sich am Vorbild des italienischen Architekten Andrea Palladio. Die Schauseite des Englischen Baus wendet sich der Stadt zu. 

Der Englische Bau von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Ursula Wetzel
Der Friedrichsbau von Schloss Heidelberg; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Eberhardt Späth

Der Englische Bau mit seinen strengen Formen ohne viel Schmuck neben dem stärker mit Bauplastik verzierten Friedrichsbau.

Raum im Friedrichsbau von Schloss Heidelberg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Historistisch gestalteter Raum im Friedrichsbau.

Historismus

Im 19. Jahrhundert entstand die Denkmalpflege. So wurden Ruinen gesichert und erhalten. Es gab aber auch den sogenannten Historismus: Man baute im historischen Stil, komplettierte Ruinen oder erfand ganze Bauwerke in alten Formen neu. Im Heidelberger Schloss findet man beides. Prominenter Fall ist der Friedrichsbau: Er wurde um 1900 wieder mit den alten Elementen aufgebaut. Dazu erhielt er Innenräume, die im Stil der Neorenaissance mit kunstvollen hölzernen Türgewänden und Kassettendecken ausgestattet wurden.

TIPP

Welcher Baustil wird heutzutage angewandt? Wenn Sie Schloss Heidelberg besuchen, betreten Sie das 2012 eröffnete Besucherzentrum: Überzeugen Sie sich selbst, auf welche Weise ein zeitgenössischer Architekt ein neues Gebäude in die ehrwürdige Schlossanlage einfügt. 

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